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14. (5. ordentliche) Versammlung des X. Vereinsjahres.
Die geschichtlichen Daten sind bekannt. Merwig oder Merovaeus, in welchem die Periode ihren Schöpfer erblickt, lebte um 450. Das Grab seines Sohnes Childerich I. wurde zu Tournay (Doornick) 1653 init der den Franken eigentümlichen Ausstattung durch Zufall entdeckt und es erregte sein kostbarer Inhalt selbst damals schon als höchst merkwürdig allgemeine Aufmerksamkeit. Merwigs Enkel, der bekannte Chlodwig I. (tot 511) wird Christ und konsolidiert das mächtige Frankenreich auf Kosten seiner Nachbarn. Im VII. Jahrhundert kommen neben diesen merovingischen Herrschern die Hausmaier (Major Domus) auf, unter denen Pipin von Landen und Bischof Arnulf von Metz sich hervorthun. Um 687 wird der Karolinger Pipin von lleristall alleiniger Major domus, vererbt seine Würde auf Karl Marteil, den Arabersieger von Tours und Poitiers, und auf Pipin den Jüngern. Damit erlischt die Bedeutung der Merovinger, die von den Karolingern verdrängt und ersetzt werden.
Von den Landesteilen, welche die Mark Brandenburg bilden, weiss man in der Merovingischen Zeit direkt leider fast nichts. Karl Möllenhoff drückt sich in der deutschen Altertumskunde 2. Bd. 1887, S. 102 flg. folgendermassen aus: Mongolisch-turauische Stämme, Slaven und Germanen drängten im 6. Jahrhundert einander und die Germanen büssten darüber einen grossen Teil ihrer Stauimeslaude ein. Der Einbruch der mongolischen Avaren um 555 und ihre Niederlassung an der Donau war entscheidend für die Ausbreitung der Slaven; einen verhängnisvollen Anteil daran hat aber auch der Langobardenfürst Albuin genommen. Die gewöhnliche Phrase, dass er bloss aus wildem Grimm und Stammeshass mit den Avaren zum Untergang der Gepiden sich verbündet habe, ist thöricht. Der Vernichtung der Gepiden in Dacien im Jahre 567 folgte gleich im nächsten Frühling der Aufbruch der Langobarden aus Pannonien nach Italien. Das Erbe der Goten, dessen sich der Franke Theudebert hatte bemächtigen wollen, lag schon lange wie eine Beute vor den Augen Albuins und seines Volkes dar. Vor etlichen Jahren, von 550 bis 552, hatten selbst schon mehrere tausend Langobarden dort unter Narses gegen die Goten gekämpft. Aber um die Beute zu ergreifen, mussten sie sicher sein, dass nicht ein Feind sich ihnen an die Fersen heftete. Ein Zuwachs an Macht, Mannschaft und Habe konnte ihnen ausserdem für ihr Unternehmen nur erwünscht sein. So verfielen die Gepiden dem Geschick. Die Hälfte der Beute und ein Teil des Volkes folgte jenen über die Berge, die andre Hälfte und das Land der Besiegten nebst dem der abziehenden Bundesgenossen verblieb den Avaren, deren neue Stellung — im Tieflande an der Theiss und Donau — und bisherige Laufbahn sie ebenso sehr gen Konstantinopel wies, als Albuin sein Weg nach Italien. Von allen Völkern, die damals rings um die mittlere Donau wohnten, selbst