14. (5. ordentliche) Versammlung des X. Vereinsjahres.
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von den mit den Avaren neu angekommenen Bulgaren, liefen ihm bei seinem Abzüge Haufen zu; nur Slaven werden nicht mit darunter genannt (Paulus Diaconus 2, 26). Aber die Wirkung des Abkommens reicht noch weiter. Die „Suavi“, die Wacho zu Anfang des 6. Jahrhunderts der Herrschaft der Langobarden unterwarf, sind zunächst in den alten Wohnsitzen der Markomannen und Quaden über der Donau zu denken; nördlicher aber im Elblande diejenigen, deren Könige Albuins Vater, Auduin, seine Tochter gegeben hatte. Diese Nordschwaben, die Überbleibsel der taciteischen Semnones hatte ohne Zweifel zuerst der Ansturm der Avaren getroffen. Als der Chan Bajan i. J. 566 einerseits mit Sigibert von Franken, andererseits mit Albuin seine Verträge schloss, wird auch über ihr Schicksal entschieden sein. Ein Teil von ihnen und mehr als 20 000 Sachsen mit Weib und Kind folgten Albuin 568 nach Italien, der andre Teil ward von Sigibert in die von den Sachsen verlassenen Wohnsitze diesseit der Elbe aufgenommen.
Karl Müllenhoff schliesst seine feinsinnigen Ausführungen S. 103 mit den Worten: Das Abkommen, das die drei Fürsten [Bajan, Sigibert und Albuin] trafen, war von welthistorischer Bedeutung: indem die Schwaben den ältesten Sitz der Germanen zwischen Elbe und Oder räumten, die Gepiden der Vernichtung anheim fielen, Albuin mit den Seinen nach Italien abrückte, die Avaren an der Donau ihre Stellung einnahmen, war diesen und in ihrem Gefolge den Slaven der ganze Osten, soweit ihn die Germanen beherrscht hatten, preisgegeben und alle Überreste derselben, die noch innerhalb ihres Bereiches sassen, waren unrettbar über kurz oder lang verloren, ausser wo sie, wie im Donauthal bis zur March und Leita, sich an Stammesgenossen in ihrem Rücken anlehnen konnten.
In die Zeit um 550 etwa mag die eiserne fränkische Streitaxt, securis francisca, kurzweg Francisca genannt fallen, weicheich nebst zwei Eisenspitzen: einem kräftigen Lanzeneisen mit Rückenleiste und einem mit langen Widerhaken versehenen Wurfspeer Ihnen jetzt vorlege und in den zugehörigen Abbildungen darstelle.
Die Francisca hat ein Gewicht von 750 gr. und ist in der Nähe östlich vom Lehnitzsee bei Oranienburg beim Stubbenroden gefunden worden. Die gekrümmte Schneide dieser Wurfaxt misst 11,5 cm. Der A Fuss der Axt ist zur Aufnahme des Stiels, den man sich zweimal so lang als die grösste, viereckig durchbohrt und die Aussenseite (dter ( Helm) zu einer Hammerfläche verstärkt.
Diese Wurfaxt ist die echt fränkische Form und ähnelt der aus dem Grabe des Childerich (Lindenschmit a. a. O. S. 68 und 189 Fig.
83 und 84), wobei zu bemerken, dass von der Axt des Childerich, wie sie zur Zeit im Musee du Louvre aussieht, augenscheinlich ein Teil der