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14. (0. ordentliche) Versammlung des X. Vereinsjahres.
krummen Schneide und die obere Spitze weggerostet bezw. weggebrochen ist. Die Francisca, obschon verschieden an Grösse und Gewicht, ist nach Lindenschmit S. 189, die leichteste, schmälste und einfachste aller Beilformen und bewährt auch darin den Charakter alter Überlieferung. Die Klinge steigt von dem Axthelm in flachem Bogen aufwärts bis zur leicht ausgeschwungenen Spitze. Die Schneide erreicht etwa nur die Hälfte der gesamten Axtlänge und ist meistens etwas rückwärs geneigt, so dass die obere Spitze weiter vorsteht als die untere.
Die besondere, leicht erkennbare Eigentümlichkeit der Francisca besteht darin, dass die Mitte der Schneide nicht mit der Mitte des Axthelms zusammentrifft, sondern durch die aufwärts gebogene Stellung der Klinge um so viel höher liegt, dass selbst die untere Spitze der Schneide nicht bis zum unteren Rande des Axthelms herabreicht. Vermutlich diente diese Stellung der Schneide, den Schwung des Wurfes oder Hiebes zu verstärken. Das durchschnittliche Mass der Francisca vom Helm zur Schneide beträgt 14 bis 18 cm, und das letztere ist bei den Fundstücken Deutschlands vorherrschend.
Ich habe, um das Aussehen der Francisca zu verdeutlichen, das heut vorgelegte im Märkischen Museum B. II No. 23 04t) inventarisierte Stück mit einem knrzen hölzernen Schaft oder Stiel versehen lassen. Procopius aus Caesarea, der den Beiisar auf seinen Feldzügen als Geheimschreiber begleitete, die verschiedensten germanischen Stämme dabei kennen lernte und in der Geschichte seiner Zeit in acht Büchern die Kriege mit den Vandalen, Mauren, Persern und Goten von 395 bis 559 n. Clir. schildert, giebt (bell, gotli. II) der Axt, welche die Franken bei ihrem Einfall in Italien führten, einen sehr kurzen Schaft; und dass er dabei nur die Wurfaxt im Auge hat, erhellt aus seiner weitern Angabe unzweifelhaft, dass sie diese Axt auf ein gegebenes Zeichen alle zugleich warfen, und damit beim ersten Angriff die Schilde der Feinde zu spalten und diese selbst zu töten pflegten. Die Speerspitze mit blattförmiger Spitze und Verstärkungsrippe in der Mitte gleicht Fig. 55 bei Lindenschmit. Dies Speereisen B. II No. 23 009 des Museumskatalogs, ist 25 cm lang und mag vollständig etwa 150 gr. gewogen haben. Zusammengefunden von unserm Mitgliede Herrn Grunow in diesem Jahre auf dem Galgenberg in der Nähe von Lüdersdorf, Kreis Angermünde, mit der Lanzenspitze B. II No. 23 010, welche 20,5 cm lang, 170 gr. schwer, und wie aus der Abbildung ersichtlich, mit zwei ziemlich weit abstehenden Widerhaken versehen ist. Beider Speere Tülle ist am Anfang durchbohrt zur Aufnahme eines Stiftnagels (clavus hastae), der in Rostspuren erhalten ist. Die Fundstelle liegt ungefähr HK) m von einem altgermanischen Gräberfelde entfernt; nahebei sollen schon einzelne andere eiserne Waffenstücke gefunden sein, namentlich auch ein Schildbuckel, über dessen Verbleib