Heft 
(1902) 10
Seite
353
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Eggersdorf.

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Eggersdorf

Kreis Nieder - Barnim.

Der Hungerige Wolf, der Bötz-See und der Borgwall am Fänger-See. (Pflegschaftsfahrt des Märkischen Museums am 15. September 1901.)

Eggersdorf,

hart am Ostbahnhofe Strausberg, ein Ort von etwa 560 Einwohnern, kann mit vollem Recht ein anmutig gelegenes Dorf genannt werden. Zwar ist es unregelmässig mit seinen Häusern und wechselnden Villen aufgebaut, und weder die deutsche noch die wendische Ortsform ist klar zu erkennen; indes zieht sich ein grosser Teil der Gehöfte an den freundlichen Ufern des klaren Fliesses hin, welches dieselben mit fruchtbaren Gärten nach hinten abschliesst. Dieses Fliess, welches keinen eigentümlichen geographischen Namen führt, treibt am Nordende des Ortes eine leider verfallene Mühle und ist dasselbe Gewässer, welches auch die schon am 12. Mai v. J. untersuchten Ufer der Posensche bespült. Die wendische Auflösung des Namens Posensche gab seiner Zeit dem Fliess auch seinen vergessenen alten Namen Senzig zurück, welcher Ileubach bedeutet; man kann deshalb unsern Ort kurz »Eggersdorf an der Senzig nennen. Diese Senzig bildet zugleich die Grenzscheide von der städtischen Feldmark Altlandsberg, die an dieser Stelle einen herrlichen Laubwald, hauptsächlich alte Eichen erhalten hat. Dies verschönert, naturgemäss die Dorflage ungemein, und bequeme Eisenbahnverbindung [Fern- und Vorortszüge] mit Berlin lockt viele Sommerfrischler zu Monate dauerndem Aufenthalt, so dass der Ort all­jährlich vom Mai ab in seinen Bewohnern, die sich der Landwirtschaft und des Gewerbes befleissigen, ein ganz anderes Aussehen gewinnt. Eine erst kürzlich gebaute, allerdings etwas schmale, aber gute Chaussee mit langem Promenadenweg führt vom Bahnhof durch den Ort hin­durch nach Bruchmühle und von da nach Alt-Landsberg. Etwa 4 km nördlich des Dorfes und von ihm aus auf herrlichem Eichen- und Nadelwaldweg leicht zu erreichen, liegt der grosse und stille Bötzsee mit seinen klaren Wassern, noch dicht an die Egersdorfer Feldmark angrenzend; ihm entspringt auch die Senzig, die nachher durch die Eggersdorfer Wiesen über Bruchmühle an Petershagen, Fredersdorf, Klein-Schönebeck, Schöneiche vorbeifliessend sich in den Müggelsee