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Eggersdorf.
ergiesst. Die Anwohner ihrer Ufer nennen sie nur obenhin das Fliess; der märkische Geograph lialf sich aus dieser Verlegenheit, indem er es nach dem an seinem Mittelläufe gelegenen Fredersdorf das Fredersdorfer Fliess nennt. Wir haben dasselbe Recht; wir gaben ihm seinen alten Namen senica oder Senzig wieder. Wollen wir es zu deutsch in der Übersetzung ausdrücken, können wir es an einen unterfränkischen Ort anklingend getrost mit Ileuengrumbach oder Heugrünbach übertragen und das gesegnete Thal, welches es durchfliesst, die Hcuwische nennen.
Mit dem Bötzsee aber werden wir uns nachher noch genauer beschäftigen müssen; nur das sei schon jetzt bemerkt, dass er vor alters viel grösser gewesen sein muss und nach Süden hin das breite Senzigthal ganz füllte, so dass-Jder heutige Mühlenteich zu Eggersdorf sein südlichster Zipfel gewesen zu sein scheint. Ein aufmerksamer Blick auf die Karte und vor allen Dingen auf die Örtlichkeit selbst genügt, um dies zu erkennen. Dieses Thal ist denn zur Erschliessung eines neuen grossen Wasserweges auch schon der Vorzeit aufgefallen, und es bestand 1770 die Absicht, die Senzig vom Fänger- und Bötzsee abwärts wieder schiffbar zu machen, sie durch einen Kanal mit dem Stienitzsee und durch diesen mit dem Rtidersdorfer Kalkfliess in Verbindung zu setzen.* *) In der Nähe dieses Thalstückes nur wenig nach Osten zu hat auch das heut auf keiner Karte mehr vermeldete und der Stadt Strausberg gehörige Bötzowsche Bruch gelegen, von dem der Chronist**) vermeldet: Anno 1531 Freitags nach Johannis Baptistä***) ist das Bötzowsche Bruch im Strausbergischen Walde angesteckt worden, und dieweil damals ein dürres Jahr gewesen, ist ein Erdfeuer daraus geworden, welches man in 7 Wochen nicht hat löschen können, dass also die Holzung dadurch sehr verbrannt und verdorben, und der Stadt ein grosser Schaden entstanden.“ Wir könnten hinzufügen „und Eggersdorf auch“. Denn die mannigfachen Brandreste namentlich an eisernen Wirtschaftsstücken und Gebäudeteilen auf augenblicklich beackerten Flächen im Osten und Nordosten des Dorfes machen ein Ubergreifen dieses furchtbaren Brandes auf die Eggersdorfsche Heide und einen Teil des Dorfes nicht unwahrscheinlich, den man aus Furcht vor einem gleichen Ereignisse nicht wieder aufbaute. Häuser, welche die Kriegsfurie zerstörte, werden in ruhigen Zeiten au alter Stätte wieder errichtet, wenn ein Ort nicht gänzlich verlassen und wüste wird; aber vor dem unberechenbaren furchtbaren Wüten der Elemente hat der Mensch Furcht; er meidet die unheimliche Stelle.
Die Gehöftelage in der Nähe der Eggersdorfer Kirche auf dem sogenannten Berge zeigt halbkreisförmigen wendischen Typus und bietet
*) Anm. Vgl. Bergbaus II, 126.
* ,J ) Angelus. Ann. Mnrcli. fol. 320.
: 30. Juni.