Eggersdorf.
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wähnte öuria, deren Ländereien allerdings damals der Schulze bewirtschaftete. Mancher Kriegs- und Feuersturm sind über dieses Gebäude dahingerast; der 80jährige Krieg, welcher das Dorf gänzlich zur Wüstung machte, tliat sein übriges. Wohl wurde in diesen Zeiten sein Dacli häufiger eine Beute der Flammen und musste erneuert werden; aber die alten eisenfesten Fundamente und Seitenwände wie auch die ziemlich langen alten Bogengänge im Innern hielten Stand bis heute. Die freundliche Erlaubnis der jetzigen Besitzerin Frau Wwe. Miethge machte uns die Innenräume zugänglich. Durch geschickte Anbringung von \\ finden hat man aus dem alten Bogengänge einzelne Zimmer geschaffen, welche Fenster von ausserordentlicher Tiefe aufweisen; denkt man sich indes diese nachträglich gefertigten Wände hinweg und blickt zu den Bogen der hohen Decke auf, so ersteht in Gedanken ein Saal des alten Herrenhauses wieder, und die wuchtige Festigkeit des Baus auch im Innern verfehlt auf uns ihres Eindrucks nicht. Ein einstmals reiches Geschlecht muss hier gehaust haben, bis häufigere Erbteilung und die wiederholten Schläge des 80 jährigen Krieges ihm den Rest gaben. War doch Wallenstein zwei Mal, vom 7. bis 9. November 1627 und vom 18. bis 15. Juni 1628, in dieser Gegend! An diesem Hause, das etwa an 800 Jahre die Trebuse sicher beherbergt hatte, hing auch ihr Herz. Als der letzte Spross Georg Christian von Trebus 1660 Haus und Hof verkaufen musste, konnte er den herben Schmerz nicht verwinden; im Frühjahr des folgenden Jahres griff er zum Strick und erhängte sich. Ausserhalb des Kirchzauns ist er vom Diebshenker verscharrt.
Noch eindrucksvoller aber wirken die Gesteinmassen im alten Keller des Hauses, im einstigen Verliess der Trebus, das wir im Bilde beifügen. Auf etwas verfallener Steintreppe steigen wir nieder in den dunklen, kaltfeuchten gewölbten Raum. Das Auge gewöhnt sich nicht an das Dunkel, das unten herrscht; erst ein aufflammendes Streichholz und die Radfahrlaterne lassen uns einen Umblick gewinnen. Wir befinden uns in einem ziemlich grossen gewölbten Steinkeller, dessen Material alte Kalk- und Feldsteine bilden. Der Kellerboden ist gepflastert. Links vom Eingänge befindet sich die Gefangenen-Nische mit ihren zum Teil noch erhaltenen Hals-, Arm- und Fussschellen. Der Ärmste, den die Trebuse festhalten wollten, wurde die in den Keller hineinragende Treppe hinuntergestossen, so dass ihm Hören und Sehen verging. Dann warf man ihn rücklings auf den Sitzstein der Nische, die Schelleu schlugen zu und er war in dem dunklen Verliess rettungslos in ihrer Gewalt. Vielleicht, dass ein gutes Lösegeld ihn uns dem fensterlosen Dunkelraum bald wieder erlöste. Noch vor etlichen Jahrzehnten waren die Fesseln vollständig vorhanden; der verstorbene Gatte der Besitzerin entfernte einen Teil derselben, aber die eisernen