Eggersdorf.
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Ringe im Mauerwerk widerstanden ihm; widerstellen noch heute, so fest halten sie die alten gewaltigen Steine. Im übrigen sind die Steine des Kellers und des Gewölbes w'ie auch der Wände und der Nische vor Jahrhunderten mit grosser Sorgfalt auf einandergefügt — die heutige Zeit baut nicht mehr so solide. In der Mitte der Bogendecke befand sich einst ein grosser eiserner Haken, zu welchem Zwecke ist unklar — jedenfalls zu keinem guten. Gegenüber dem Eingänge erscheint eine jetzt mit Bruchsteinen vermauerte Thür, die in einen zweiten Keller führt, der Wirtschaftszwecken gedient zu haben scheint. In ihm, der ähnlich dem Verliesse gebaut ist, bemerkt man nichts Auffälliges.
Wir verliessen den finstern Raum mit der Genugthuung, dass er jetzt freundlicheren Zwecken dient, wie eine Batterie von Sclmltheiss- Versand in Flaschen beweist. Aber das tliut nichts zur Sache! Yer- liess ist Verliess! Ketten sind Ketten, Nische ist Nische, Trebuser sind Trebuser! „Geh’ nicht um Mitternacht mit einem Licht oder einer Laterne in den dunklen Raum hinunter, du thust es nicht wieder in deinem Leben! Zwar hat noch keiner seit Menschengedenken diesen Versuch gemacht und darum da unten auch nichts erlebt; aber es geht
so ein unbestimmtes dunkles Gerücht.hüte dich! Sobald dir
nämlich dein Licht erlöscht — überkluge Menschen sagen, das geschehe durch einen Windzug; aber ich weiss den Grund besser — kannst du von der Nische her etwas erleben, dass dir die Haare zu Berge stehen. Tritt auch nicht grade unter das Loch in der gewölbten Decke, wo der grosse eiserne Haken gesessen!“ Und dann erst die dunklen Geheimnisse des noch nicht erwähnten Nebenkellers, der rechts vom Eingang des Yerliesses nach der Strasse zu gelegen ist. Er zeigt von aussen Ansätze wie von tief vermauerten Fenstern; keine Thür in ihn hinein ist sichtbar; kein Sonnenstrahl dringt in sein Inneres; kein Mensch — nicht einmal die Besitzerin — wusste bislang von ihm etwas, erst ihr Sohn machte sie unlängst darauf aufmerksam. Was mag dieses so lange vergessene Grab enthalten? Schätze gewiss nicht! Sollten Freundeshände der Krummensee oder Jürge von Röbel den letzten Trebuser Jürge, dem wegen Selbstmords die geweihte Kirchhofserde verschlossen blieb, ausserhalb des Kirchzauns wieder ausgescharrt und unten in seinem Stammhause beigesetzt und seine Leiche eingemauert haben, damit er Ruhe fände? Die Zukunft wird das Dunkel lichten.
Wie uns der kurze Abriss der Ortsgeschichte zeigte, teilten sich um 1472 Matthes und Tewes Trebus in den Eggersdorfer Gesamtbesitz. Der letztgenannte baute sich nordwestlich vom Stammsitz nach dem Fliess oder der Senzig zu auch „ein steinern Haus“, dessen rudera gewaltige Steine aufwiesen. Ein Teil derselben ist zu gelegentlichen Bauten verwendet, ein grosser Teil steckt noch tief in der Erde, deren Besitzer Herr Rüger zu Eggersdorf ist. Dorthin lenkte sich denn auch