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26. (9. ordentliche) Versammlung des XVIII. Vereiusjahres.
.Jahrtausenden angehören und ungezälte Überreste germanischer Vorzeit in unseren Museen und Sammlungen aufgespeichert haben, wissen wir über das Äußere unserer Ahnen (abgesehen von Tacitus Schilderungen und Beschreibungen) Bildliches nur wenig. Dies Wenige ist außerdem an recht entfernten Stellen in und außerhalb von Deutschland verstreut und da ist es eine dankbare, so recht im Rahmen der Zwecke des Mainzer Museums liegende Aufgabe, für den allgemeineren Gebrauch das Überlieferte in Nachbildungen, mindestens Abbildungen zu sammeln und dem Publikum in Verzeichnisform zugänglich zu machen. Ich bitte unsere Mitglieder um recht eingehendes Studium diesesKatalogs, dessen Bilder ineistgut gelungen sind.
XXXI. Zum Beschluß meiner Mitteilungen lege ich 6 große Photographien vor, die Herr W. Seegert mir zur Verfügung gestellt hat und die ich der Bildersammlung der Brandenburgia überreiche. Sechs treffliche Eigenaufnahmen: Der Krügel, welcher leider wohl nächstens, wenn das Rolandufer hergestellt wird, verschwindet. — Waisenstr. 28. — Potsdamer Platz. — Fischerstr. 28. — Am Kupfergraben 7. — Die historische Schmiede zu Rixdorf. — Allerverbindlichsten Dank.
XXXII. Hierauf hielt u. M. Herr Redakteur Hermann Kötsclike den angekündigten Vortrag: Die Waldfrage in Groß-Berlin. Mit ungeteiltem Beifall aufgenommen fand der Vortrag ein lebhaftes Echo bei mehren Mitgliedern, die sich ebenfalls gegen die Waldverwüstungen scharf aussprachen.
In seinem Vortrag führte Herr Pastor a. D. Kötschke folgendes aus: J' Berlin war früher von allen Seiten von Wald umgeben. Im Norden lag die große Kämmereiheide mit dem Wedding, die bis zum heutigen kleinen Tiergarten reichte. Im' Westen erstreckte sich der Grunewald mit dem Tiergarten bis an den Gendarmenmarkt. Im Südwesten lag die Hasenheide, .vom Kreuzberg bis an die Spree, südlich davon noch die Treptower Heide. Verhältnismäßig wenig Wald war im Nordosten. Der Wald war außer dem Grunewald städtisch.
Die erste Abholzung geschah, als die Kurfürstin Sophie Charlotte die Stadt Charlottenburg gründete. Die Stadt Berlin holzte viel Wald zu Anfang des vorigen Jahrhunderts ab, weil zu viel Holz gestohlen wurde. Ferner tat sie einen großen Teil des abgeholzten Waldes in Erpacht aus. Von den frühem Waldbesitz hat Berlin nur noch den Treptower Park und den Plänterwald erhalten.
Der Fiskus fing nach dem unglücklichen Kriege von 1806,07 auch an Wald und Domänen zu verkaufen. Aber auf Grund der Wiener Beschlüsse 1835 hörten diese Verkäufe auf. Der Fiskus bekam erst nach 1900 wieder freie Hand zu Verkäufen. Bis dahin bürgten nämlich die Domänen und Forsten für die Kriegsschuld, die noch von 1813 und 1815 herstammte. Seit 1900 aber fing der Fiskus an die Wälder um Berlin herum — ebenso freilich auch in der Nähe anderer Städte — zu verkaufen zugunsten der