Heft 
(1911) 19
Seite
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Die Diskordanz im obersten Diluvium der Provinz Brandenburg 1 .

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setzte ein, als den Boden noch ein gewaltiger Eismantel bedeckte, der natürlich hierbei in Schollen zerbrach. Dadurch war unter dem Eise ein neues Relief der Erdoberfläche mit anderen Neigungen entstanden, und die Schmelzwässer mußten sich ein frisches Bett herstellen, wobei sie den Boden zu einer Abrasionsebene formten, auf die sich nun die Einschlüsse des Restes der Eisdecke niederschlugen teils als geschichtete G-ebilde und teils als G-eschiebelehm. Letzterer findet sich aber auch an Böschungen, deshalb scheint es, als ob seine Mächtigkeit hauptsächlich abhängt von dem Reichtum des Eises an Einschlüssen, der örtlich offenbar sehr ver­schieden war, z. B. fehlt über einigen Gruben Lehnins, sowie über einigen der Gegend von Saarow-Silberberg neben dem Scharmützel-See jede Spur eines Überbleibsels der Eiseiuschlüsse, so daß man wohl annehmen darf, hier war die Deckmoräne sehr arm an Gesteinstrümmern, denn gerade in einigen Lehniner Gruben finden sich sekundäre Störungen, in erster Linie Stauchungen, die dadurch entstanden sind, daß die zertrümmerte Eisdecke auf die Erde herabstürzte und hierbei die empor­getriebenen Sättel in mannig­facher Weise mehr oder weniger stark preßte, so daß z. B. in der einen Grube ein spitzer Sattel fächerförmig herabgedrückt und in einer anderen ein breiter Sattel in eine doppelte Ealte zu­sammengelegt wurde.

In derselben Arbeit habe ich noch zwei benach­barte Gruben beschrieben, die dicht bei dem Dorfe Petzow liegen; ich muß aber diese Angaben hier ergänzen. Für die Grube nördlich von dem Dorfe bin ich jetzt doch zu der Ansicht gelangt, daß die schon beschriebenen Störungen (Abb. 1) Stauchungen sind, die durch herabstürzende Eisschollen erzeugt wurden, sie sind hier nicht so deutlich zu erkennen, weil die Hauptstörungen fehlen oder wenigstens nicht als mächtige Sättel oder Mulden ausgeprägt sind. In der zweiten Grube, dicht westlich bezw. südlich vor dem Dorfe, habe ich damals eine Störung überhaupt nicht bemerkt, was nur daher kam, weil der Aufschluß nicht so weit vor­geschritten war als heute. Jetzt erkennt man, daß der Ton einen langen Sattel bildet, dessen Längsachse mit der Grubenwand zusammenfällt, weil der Abbau über den Grat des Sattels vorgerückt ist; außerdem beobachtet man, daß die Sandschichten, die konkordant auf dem Ton liegen, in die Grubenwand -hinein einfallen. Leider sind die Arbeiten hier eingestellt

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Abb. 1.

Störungen in der Ziegeieigrube nördlich von Petzow.