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Dr. A. Kiekebuach
zeit dieselben Geräte am Backofen verwendet wurden, die von der deutschen Bauersfrau noch heute benutzt werden. Weiter ist die Gefahr vorhanden, daß gewisse Bezeichnungen, die heute schon nur noch in einigen Gegenden bekannt sind, nach und nach ganz in Vergessenheit geraten.
/ Ich bezeichne die Backofengeräte zunächst mit den Namen, die zwischen 1870 und 1890 und teilweise auch noch später in meinem Heimatsdorfe Waßmannsdorf im Kreise Teltow gang und gäbe waren.
Es kommen neben dem zum Ablöschen der Geräte überall gebräuchlichen und notwendigen Wassereimer in Betracht die „Ofenstange“, der „Ofenwisch“, die „Krücke“ und die „Schütze“ (oder „Schitze“).
' 1. Die Ofen stqnge ist ein 4—5 Meter langer einfacher Stab, mit
dem die im Ofen verbrennenden Reisigbündel immer und immer wieder gelockert werden. Dieses Lockern ist unbedingt nötig, damit das Feuer durch die in sich zusammenstürzenden Bündel nicht erstickt wird, letztere vielmehr vollständig verbrennen. Bei jedesmaligem Stochern fängt die Holzstange natürlich selber Feuer; .sie wird dann im Wassereimer abgelöscht, mnß aber häufig erneuert werden. In anderen Gegenden wird diese Stange ganz richtig und sinngemäß auch als Ofenstab oder Schürstab bezeichnet. Den bisher besprochenen Ausdrücken entsprechen in althochdeutscher Zeit vollkommen die Namen ovenstange, ofenstab, oven- staph, ovenstaf, schurstab, schorestecke [M. Heyne: Deutsche Hausaltertümer II S. 280 u. Grimms Wörterbuch].
An nicht wenigen Orten wird heute anstatt der gewöhnlichen Stange auch die „ Ofengabol “ benutzt. In vielen Fällen gebraucht mau dann einfach das auch zu anderen Zwecken verwandte Gerät, das auf keinem Wirtschaftshofe fehlt, die mit zwei oder drei Eisenzinken versehene Gabel, vielfach Forke genannt. Höchstens versieht man die Forke mit einem recht langen Stiel. Nicht selten werden Stange und Gabel auch nebeneinander verwendet. Mit der Gabel werden die Reisigbündel in den Ofen eingeführt. Zum Schüren dient jedoch die Stange. Auch die Gabel ist schon in altdeutscher Zeit als Backofengerät bezeugt unter der Bezeichnung ofengabel, fuergabel (also „Feuergabel“) und vorck („cum qua ignis movetur in fornace“).
\ 2. Die Ofeu kriick e. Ist der Ofen lange genug geheizt worden,
so tritt die „ Krücke“ in Tätigkeit, die in anderen Gegenden auch Kisse v oder Scharre genannt wird. Am Ende einer horizontal in den Ofen eingeführten ebenfalls 4—5 Meter langen Stange sitzt quer ein nicht ganz vertikal gestelltes, meist viereckiges, zuweilen oben etwas ausgeschweiftes Brett. Mit dieser „Krücke“ wird die noch vorhandene Glut, d. b. der Rest des noch glimmendeu und noch nicht völlig verkohlten Holzes links und rechts in die Ecke gescharrt. Die verglimmenden