Heft 
(1921) 30
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Die Abrasionsflächen an den Stoßzähnen des Mammuts

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eine aus dem Verbande mit den benachbarten Dorfmundarten herausgelöste Form als sprachliches Objekt für sich zu behandeln, zeigt sich gerade an dem Fall der Kachel.

Weil dem aber so ist, hege ich anderseits Bedenken, die wendländische Form Kachel gleichfalls durch den Endungsschwund, wie er dort durch Selmer für die Wortbeugung bezeugt ist( vgl. Beispiele wie proal prahlen', gröchel grunzen', twivel zweifeln'), zu erklären, weil eine Ausgangsform Kacheln im Wendlande nicht allgemein angesetzt werden kann. Der Sprach­atlas verzeichnet Af, was gut zu Selmer stimmt, welcher dv, Ofen(§ 14) angibt. Da daneben aber§ 83,4 noch im angeführt wird, ergeben sich aus dieser Form Möglichkeiten einer Zusammensetzung mit Kachel etwa zu einem Worte Kachelām. Von diesem könnte die Entwicklung über Kachelän, Kachelen gut zu Kachel geführt haben. Jedoch mache ich mir diese Auf­stellung nicht zu eigen; ich halte es vielmehr für geraten, die wendländische Gruppe gesondert zu stellen.

Rostock i. M.

Prof. Dr. H. Teuchert.

Die Abrasionsflächen an den Stosszähnen des Mammuts und ihre Entstehung.

Von Paul Kothe.

Bei der Herstellung eines Mammutmodells im Märkischen Museum, zu dem ich von Herrn Dr. M. Hilzheimer das Material erhielt, ersah ich aus der Literatur, daß man sich über die an den Stoßzahnspitzen befindlichen Abnutzungsflächen, die selbst auf der in Mammutelfenbein eingekratzten altsteinzeitlichen Zeichnung aus Perigord, Dep. Dordogne, getreu wiedergegeben sind, keine rechte Erklärung geben konnte*). Im Vergleich mit den heute lebenden Elefanten und deren Gewohnheiten und im Hinblick auf die Art des Wachsens der Zähne, nehme ich an, die Entstehungsursache festgestellt zu haben. Die richtige Lage der Stoßzähne stellte schon Pfitzenmayer fest.

Die Stoßzähne der Elefantenarten haben keine Wurzel, sind unten hohl und haben ein unbegrenztes Wachstum. Diejenigen des indischen und afrikanischen Elefanten sind vorn zugespitzt, dagegen zeigen die Mammutstoßzähne an ihrer Spitze eine ein­seitige Abnutzung. Ihr Wachstumverlauf geht nach unten, außen, oben und einwärts und bildet den Anfang einer großen Spirale. Die Abrasionsfläche befindet sich bei längeren Zähnen immer in einer Lage, die es dem Tier nicht ermöglicht, die angeschliffene Stelle auch zu benutzen. Sie muß sich also in einem früheren Lebensalter gebildet haben, wo das Mammut die Zähne zu einem bestimmten Zweck gebrauchen mußte. Um das festzustellen, muß man sich den Zahn in die Alveole spiralig zurückgedreht denken, und man findet dann die Abnutzungsfläche auf der Un­terseite. Sie ist also in der Zeit entstanden, in der der Zahn nach unten und außen zeigte. Ich nehme nun an, daß diese Ab nutzung auf die Lebensgewohnheiten des Mammuts zurückzu­führen ist. Wie wir von den lebenden Elefanten wissen, haben sie die Eigenart, beim Ueberschreiten von starken Steigungen oder

*) Hilzheimer, Aus der Natur VII 1911, Heft 17 Seite 537-39. Dietrich, Jahres­hefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württemberg Jahrg. 1912 Bd. 68, S. 67.