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Das alte und das neue Rixdorf.
und Broncewaren, ferner die Messingwerke, Stahl- und Eisengiesserei, die Deutsche Glasmosaik-Anstalt, die einzige in Deutschland, zwei Druckereien, eine Sclunalzfahrik, eine Malzfabrik und 2 grosse Brauereien, ferner Grosstischlereien und andere Betriebe des Kunstgewerbes und endlich — eine wirkliche Sehenswürdigkeit des Ortes — die Ausbeutung der Kies- und Sandgruben in den ltollbergen, die Berlin und Köpenick mit diesem notwendigen Material versorgen! Und wie tüchtig und strebsam diese Industrie ist, das bewies sie dadurch, dass sie es wagte, 1878 hier am Orte selbständig eine Gewerbe- und Industrie-Ausstellung zu veranstalten, die nach aller Urteil in jeder Beziehung Anerkennenswertes bot!
Gewiss kann H. sich rühmen, dass es das erste Dorf nicht bloss der Monarchie, sondern der ganzen Welt ist, das den Mut und die Energie gehabt hat, eine Ausstellung zu veranstalten.
Das grossartige Wachstum Rixdorfs und zugleich die Schwierigkeiten, die es im Gefolge hatte, können wir am deutlichsten erkennen, wenn wir den Gemeindehaushalt der .lahre mit einander vergleichen. 1874 balancierte er in Einnahme und Ausgabe mit 24 000 M., darunter waren 5000 M. Schulkosten und 3000 M. Armenkosten. 1875 betrug die Gesamtsumme schon 80 000 M., worunter 23 000 M. Schul- und 12 000 Armen kosten; 1881 stieg diese Summe auf 197 000 M. im ganzen, darunter 50 000 M. für die Schule und 35 000 M. für die Armenpflege, IbüO war die Gesamtsumme schon 360 000 M., darunter 93 000 M. für die Schule und 59 000 M. für die Armenpflege, und jetzt 1893 94 zeigt der ordentliche Etat die gewaltige Summe von 645 000 M., wovon nicht weniger als 183 000 M. für Schulen und 84 000 M. für Armenpflege! Und daneben haben wir für dieses Jahr noch einen ausserordentlichen Etat von 2 843 000 M.! Wahrlich, diese Zahlen reden!
Solche Summen können gewiss nicht durch laufende Steuern eiu- kommen, nicht einmal bei reicher Bevölkerung! Nun ist aber die hiesige Bevölkerung, die meist aus Arbeitern besteht, arm, ja zum 'Feil recht arm, und es musste daher schon früh zur Aufnahme von Anleihen geschritten werden, um Geld zu beschaffen und die dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen. So kam es, dass R. schon 1876 eine Anleihe aufnahm und damit das erste Dorf war, dem eine Anleihe genehmigt wurde, .lene Anleihe betrug 300 000 M. und ist jetzt bald abgezahlt, die späteren wurden immer grösser und zählen mehrere Millionen, aber dafür wurden auch Schulhäuser und Krankenhäuser gebaut, die Gasanstalt angekauft, Kanalisation eingeführt und ein Rittergut zur Berieselung erworben!
Dass auch gegenwärtig die Gemeinde nur wenige zahlungskräftige Einwohner zählt, beweist am besten die Thatsache, dass von 13 260 Steuerzahlern nicht weniger als 8400, d. h. 63 ü / 0 , ein Einkommen unter