Pas alte und das neue Kixdorf.
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graphen-Station angelegt und allmählich auch das Postwesen, das viel zun wünschen übrig liess, verbessert. Ganz besondere Schwierigkeite machte das Schulwesen. Allerdings hatte inan 1865 schon hier 8 Lehrer, aber in jedem .lahre mussten mehrere neue Lehrkräfte angestellt, mussten neue Schulräume beschafft werden. Jetzt hat R. an den evangelischen Schulen 90 Lehrkräfte, darunter 8 Hauptlehrer, au der katholischen Schule 6 Lehrkräfte, und zum Teil prachtvolle Schulräume. Und wie überall, ist trotzdem das Schulgeld, das früher für Kind und Monat 1 Mark betrug, abgeschafft, der Unterricht ganz frei! Auch eine Fortbildungsschule besteht hier, während eine öffentliche höhere Lehranstalt noch immer fehlt.
1874 war hier weder Arzt noch Apotheke; wer krank war, musste nach Berlin oder mit grossen Kosten einen Arzt kommen lassen. Jetzt haben wir hier 2 A p otheken und 9 Ärzte. — Auch die anfangs aufge stellten Petroleum-Laternen genügten dem Bedürfnis nicht mehr. In dem Wunsche nach „mehr Licht“ strebte man nach Gasbeleuchtung, und so wurde 1877 eine Gasanstalt, allerdings von Privaten, angelegt. Jetzt ist aber auch diese Anstalt in den Besitz der Gemeinde übergegangen, und 283 Laternen sorgen dafür, dass auch bei Dunkelheit der Bürger sein Heim sicher auffindet. Das neue Amtshaus wurde 1878 er- baut und kostete nicht weniger als 170 000 M. Auch eine Wasserleitung wurde im Anschluss an die Charlottenburger hergestellt.
Aber nicht bloss für die materiellen Bedürfnisse wurde gesorgt. An Stelle der kleinen alten Kirche wurde ein geräumiges, grosses Gotteshaus mit weithin sichtbarem Turm errichtet, allerdings unter grossen Anstrengungen, und 1879 eingeweiht. Auch der in den ruhmreichen Kriegen gefallenen Brüder gedachte man und errichtete ihnen aus privaten Mitteln ein Denkmal, das am 2. September 1880 enthüllt wurde. Freilich ist dieses Denkmal wie auch jene Kirche einfach und schmucklos, und Sehenswürdigkeiten bietet R. auch jetzt noch nicht, man müsste denn den berühmten Rixdorfer Galgen dahin rechnen.
Natürlich kosteten alle diese Ausgaben für Schule mul Kirche, für Strassen und Verwaltung Geld, viel Geld, und gewiss wäre dies nicht vorhanden gewesen, wenn nicht die Einwohner tüchtig und arbeitsam wären. Allerdings giebt es hier wie überall rohe und träge Menschen und gewiss hier noch mehr, weil die nahe Grossstadt den Abschaum D er Menschheit hervorbringt und ihn dann aus ihren Mauern in die nahen Vororte auswirft, aber die Bevölkerung im ganzen war immer recht fleissig. Wie wir wissen, gab es hier schon seit dem vorigen Jahr* hundert höchst arbeitsame und sparsame Weber; die Gärtnerei wurde von vielen Besitzern schon lange eifrig betrieben; dazu kamen im Laufe der Jahre grosse Fabriken aller Art: für Shawles und Tücher, Gummi- und Lederwaren, Glaswaren, Linoleum und Wachstuch, Asphalt, Lampen