Heft 
(1893) 2
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Das alte und das neue Rixdorf.

fiel auch auf unser R. lunner neue Einwohner zogen zu, neue Fahriken entstanden, neue Häuser wurden gebaut, und da galt es nun für die* Verwaltung, mit diesem Wachstum Schritt zu halten und für alle die Bedürfnisse zu sorgen, die ein Ort mit soviel Einwohnern nach dem Muster der nahen Reichshauptstadt zu leisten schuldig ist. Da mussten die Strassen, die bisher bei gutem Wetter wegen des Sandes und bei schlechtem wegen des Schmutzes nicht gangbar waren, gepflastert, es mussten neue angelegt und ein ganzer Bebauungsplan anfgestellt werden, da mussten auch Bürgersteige*, die man vorher nicht gekannt, hergestellt und Bäume in den Strassen gepflanzt werden, auch für die Beleuchtung der Strassen und Vorkehrsverbindung mit Berlin musste gesorgt werden; dann galt es, Schulen zu bauen und neue Lehrer zu berufen, was bei der rapiden Vermehrung der Einwohner ganz bedeutende Schwierigkeiten machte; auch ein Amtsgebäude für die Verwaltung und Polizei war nötig, dazu kam die Erbauung einer Kirche, Wasserleitung u. s. w., kurz, in diesen wenigen Jahren wurde R. aus einem Dorfe zu einem wirklichen Vororte, einem Teile der Reichshauptstadt.

Betrachten wir zunächst das Anwachsen der Bevölkerung, so be­trug diese

1871.D.-R. 5 996 + B.-R. 2129

1875 . 10 843 4- 4480

1880 .ganz R. 18 729

1885 . 22 775

1890 . 85 702

jetzt nahezu. 50 000 Einwohner.

Die Bevölkerung ist also in den 22 Jahren um das 7fache gestiegen, R. ist das grösste Dorf in der Monarchie geworden.

Während man 1856 nur 206 und zwar recht kleine Wohnhäuser hatte, zählt man jetzt nicht weniger als 879 bebaute Grundstücke an 85 Strassen und Plätzen. Nun wurde aber der Ort nicht zusammenhängend bebaut, sondern an den verschiedenen Enden wuchsen die Häuser wie Pilze aus der Erde. Welche Kosten verursachte da die Pflasterung und Entwässerung der ausgedehnten Strassen! Sofort 1874 begann man damit, auch stellte man 100 Laternen zu ihrer Beleuchtung auf, man pflanzte Bäume zur Verschönerung der Strassen, legte Bürgersteige an und liess sogar die Ifauptstrasse besprengen. Die Verbindung mit Berlin war recht mangelhaft: stündlich fuhr ein Omnibus dahin. So wurde denn nach mühsamen Verhandlungen 1875 eine Pferdebahn, die nach dem Halleschen Thore, angelegt und am 2. .Fuli desselben .Iahres eröffnet, und jetzt halten wir noch zwei andere, die nach Berlin über den Kottbuser Damm und die nach Britz; dazu kommt jetzt auch noch die Ringbahn, die jede halbe Sturule fährt: kurz, für die Verbindung mit Berlin ist jetzt sehr schön gesorgt. 1874 wurde auch eine l'ele-