Heft 
(1893) 2
Seite
135
Einzelbild herunterladen

Geschichte des Landes und Bistums Lebus, sowie der Stadt Fürstenwalde. 135

Dietrich war den Protestanten Bischof Georg von Blumenthal. Diesem Umstand verdankte ja Fürstenwalde den schlimmen Besuch des abenteuer­lichen Ritters Nickel Minkwitz, Herrn von Sonnenwalde und Drelina. Noch eifriger als der Bischof war der Domherr Redorfer, Haupt­ratgeber Joachims I. in kirchlichen Dingen; Ileidemann bezeichnet ihn als den gewandtesten Gegner, den die Reformation in der Mark gefunden. Es entwickelten sich hier in der Folgezeit höchst sonderbare Zustände, da die Bürgerschaft, abgesehen von einigen Magistratsmitgliedern, meist protestantisch gesinnt war, während der Stadtherr und sein Domkapitel eifrig katholisch waren. Die protestantischen Bürger suchten einen Rückhalt an Joachim II. Der Kurfürst aber, obwohl er der Patron des Bistums war, wagte doch keinen Eingriff in die Rechte des Bischofs zu tliun. Bekanntlich suchte er alle extremen Schritte zu vermeiden; nur zu gern hätte er in der Mark die bischöfliche Gewalt mit der geist­lichen Aufsicht über das Religionswesen erhalten; aber der Bischof Busso von llavelberg und Georg von Lebus versagten jede Mitwirkung bei einer auch noch so massvollen Reformation; sie leisteten bis an ihren Tod passiven Widerstand. Nachdem das Domkapitel noch einmal 1551 einen streng katholischen Bischof gewählt hatte, verstand es sich nach dessen Tode 1554 dazu, den neunjährigen Enkel des Kurfürste n Joachim Friedrich zum Bischof zu wählen. Nun nnissten die Domherren 1554 die Domkirche den Protestanten zur Mitbenutzung einräumen, und als Joachim Friedrich 1598 den Thron der Ilohenzollern bestieg, ver­einigte er das Bistum mit dem Kurlande. Das Bild dieses letzten Bischofs von Lebus, welches er dem Rat selbst verehrt hat, werden Sie sogleich im Rathause sehen. Einen der preussischen Könige hat fürstenwalde öfters wenn auch nicht in seinen Mauern, so doch vor seinen Thoren gesehen. Friedrich I. fand an der hiesigen Gegend solches Wohlgefallen, dass er sich 1700 hier unmittelbar vor dem Frankfurter Ihor ein einfaches Jagdschloss erbaute und es mit einem Lustgarten umgab. Die Jagd in der Heide hatte nämlich die Stadt 1557 an den Kurfürsten verkauft. Das Jagdschloss ist jetzt in ein Magazin um­gewandelt, der Lustgarten ist verschwunden; denn der umliegende fis­kalische Grund und Boden wurde von Friedrich dem Grossen zur Anle­gung einer Kolonie, der sogenannten Amtskolonie, verwendet. Überhaupt hat Friedrich der Grosse seinem Kolonisationseifer hier die Zügel schiessen lassen. Die wohlhabende Stadt Fürstenwalde schien ihm gerade geeignet, um Grund und Boden sowie reiche Geldmittel zu diesem Zweck herzugeben. Trotz allen Sträubens musste der Magistrat in seiner Stadtheide die vollständige Einrichtung zweier Ackerkolonien, Kirch- hofen und Braunsdorf, bestreiten und ferner für sächsische Damastweber vier Doppelhäuser bauen.

Dass Fürstenwalde auch zeitweise Universitätsstadt gewesen ist,

2