134 Geschichte des Landes und Bistums Lebus, sowie der Stadt Fflrstenwalde.
Sie traten manchmal dem Magistrat feindlich entgegen; so scheinen sie es namentlich für ihre Aufgabe erachtet zu halten, darüber zu wachen, dass der Bürgergemeinde vom Magistrat nicht der Mitgenuss an den städtischen Gerechtigkeiten, besonders an dem Ertrage des Forstes, geschmälert werde. — Sehr interessant ist die Geschichte der hiesigen Schützengilde. Sie hatte, wie die Griindungsurkundc derselben aus dem Jahre 1427 beweist (Sie werden die Urkunde nachher sehen), nicht bloss gesellige, sondern wie alle diese Bruderschaften des Mittelalters, auch sittlich-religiöse Zwecke. Sie dotierte und unterhielt eine Jacobus-Kapelle ausserhalb der Stadt. — Nicht minder interessant ist eine Verordnung des Kats vom .fahre 1451, welche die schon 1305 erwähnte Elendsgilde von Fürstenwalde betrifft. Diese Bruderschaft stund in Beziehung zu der hiesigen kleinen Heiligen Geistkirche, die vor dem Müncheberger Thor lag und mit einem Spital verbunden war. I»ie traurigen Ueberreste desselben waren bis vor einem Jahre dicht bei dem Denkmal zu sehen, an dem Sie vorübergegangen sind. Dies über Verfassung und wirtschaftliche Enge der Stadt in älterer Zeit. Nun wäre freilich noch viel zu erzählen von den zum Teil hervorragenden Männern, die den Lebuser Bischofsstuhl im 15. und 10. Jahrhundert, geziert haben. Ich greife besondere diejenigen heraus, deren Grabmonuineute und Siegel Sie nachher in der Domkirche und im Kathaus sehen werden. Ich-nenne Johann VII. von Dehr, einer schlesischen Familie ungehörig, der den Dom 1440 erbaute, woran ein Denkstein in der Kirche erinnert. Seine kunstvoll gearbeitete Grabplatte ist vielleicht ein Werk Hermann Vischers, iles Vaters des berühmten Peter Vischer; dann Friedrich 111. Sesselmann, der als Kanzler unter Friedrich II., Albrecht Achill und Johann Gicero eine hochwichtige politische Rolle spielte — sein Wappen mit dem Halbmond werden Sie an dem Taufbecken erblicken — ferner den um das Bistum hochverdienten Dietrich v. Biiluw, 1490 — 1523, wahrscheinlich Erbauer unseres Rathauses sowie des schönen Sakramentshäuschens im Dom, 1521 zum Regenten der Mark bestellt, der sich durch seine vorzügliche Finanzverwaltung des Stiftes hervorthat; er kaufte 1518 für 45 000 rheinische Gulden die Herrschaften Beeskow-Storkow von Ulrich v. Biberstein — Sie sehen, damals kostete ein Fürstentum so viel als jetzt ein mässiges Haus. Bekannt ist er auch als Gegner der Reformation. ln der Bürgerschaft Fürstenwaldes scheinen protestantische Lehren schon sehr früh Eingang gefunden zu haben, denn ein Aufruhr der Bürger im Jahre 1523, an dem sogar der Bürgermeister Klaus Bernd Discher teil hatte, ist sicher auf die religiöse Bewegung zuriiek- zuführen, die gerade in diesen Jahren das Bürgertum ergriff. Als Fürbitter für die Frevler treten bezeichnender Weise die Kurfiirstiii Elisabeth und ihr Bruder König Christian II. von Dänemark auf, der der Kurfürstin später bei ihrer Flucht behilflich war. Noch viel verhasster aber als