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Bericht itb j r die 2. (1. Arbeits-) Sitzung des V. Vereinsjahres 39
„Kukeluren“ für „Kienäpfel“ ist mir
a. auch aus der Ostprignitz, Frehne bei Meyenburg, bekannt; desgl. Herrn Kantor Johns in Kietz (Elbe), früher in Eldenburg.
b. noch mehr kenne ich den Gebrauch des Wortes „Kokeluren und
Kokeluken“ — also in der letzten Silbe wechselnd bald r bald k, aus meiner Heimatsstadt Potsdam, speziell der Umgegend des Kadettencorps und des Brauhausberges, sowie der von mir bis zu meinem 26. Lebensjahre hin viel besuchten Dörfer Wildenbruch, Stücken, Blankensee, Stangenhagen, Zauchwitz, Michendorf, Gröben, Siethen, Beuthen, Schiass.
Auch hatten wir Kinder dort ein Spiel. Eine Strippe wurde an die Spitze des noch grünen oder doch noch frischgronden geschlossenen Kienapfels gebunden und hin und hergeschwenkt unter Absingen des Kindermädchenreims:
„Bim, bam, Bählamm,
Glake, geh nach Potsdam!“ ,
Hörten das Stadtbewohner, so drohte es Schläge. Denn es waltete der Aberglaube: derartiges Kindersingen wäre Vorbedeutung bald ausbrechenden Brandes.
Ich mache darauf aufmerksam, dass nur der noch frische Kienapfel die Bezeichnung „Kokelure“ bez. „Kokeluke“ trug. Der trockene, in sich gespreizte und gedunkelte, hiess in der Volksbezeichnung „Ra uchko pf, Wuschekopf, Kr atzbese n „und stand im Rufe, Wurfwaffe von Kobolden und Hexen zu sein, vermöge deren einem etwas an- gethan wurde.
Ueberhaupt haftete damals (vor 40—50 Jahren) den Kienäpfeln, sowohl den frischen wie den trockenen, in der Volksvorstellung etwas Unheimliches an. Ihr flackerndes Brennen und ihre grosse Heizkraft, zum Herstellen von Plättbolzen vorzüglich, galt als etwas höllisches.
Nicht uneben war, dass die nur hochdeutsch sprechenden Kadetten im Potsdamer Kadettencorps und ebenso die Söhne und Töchter der „Stadtpotsdamer Gebildeten“ unser volksbräuchliches „Kokeluken“ verbalhornisierten in „Kokellocken“, bezw. Kökel-glocken.“ Kokeln = mit Feuer spielen.
Für die Schreibweise mit r, also „Kokeluren“ wüsste ich keine alte Herleitung, will man nicht zu einem Sprechfehler seine Zuflucht nehmen. Wie ähnlich aus „Theerofen“ Im Dialekt „Theeren“ geworden ist, endlich „Thüren.“
Dagegen für die Sprechweise mit k, also „ Kökeluk en“, scheint mir ein dem Volke verbliebener slavischer Sprachrest vorzuliegen. Betreffend Wendisch wird ja Herr von Schulenburg die beste Auskunft geben.