Heft 
(1896) 5
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Bericht über die 2 (1. Arbeite-) Sitzung des V. Vereinsjahres

anderthalb Meter Umfang. Herr Friedel besichtigte beide Bäume mit Professor Dr. Paul Magnus zusammen am 28. d. M. Letzterer Fachmann bemerkt, dass der erstgenannte Baum, der ihm wegen seines bizarren, anscheinend aus mehren parallel gewachsenen Bäumen durch Überwallung verbundenen Bäumen bestehend, mit Exoascus sicherlich nicht behaftet sei, die hexenbesenartigen Verbildungen also einen anderen Grund hätten. Möglich $ei es, dass der zweite Baum später Exoascus aufweise. Die besenartigen Auswüchse des dritten Baumes seien lediglich durch Ab- hauen und Verschneiden des Stammes und der Äste erzeugt.

Der Vortragende Friedel macht anlässlich der letzten Bemerkung darauf aufmerksam, dass durch Menschenhand nicht selten unbeab­sichtigt hexenbesenartige Bildungen erzeugt werden, die man an den betreffenden Bäumen am besten sieht, wenn sie noch unbelaubt sind. So an Kopfweiden oder Kropfweiden (Salix alba L.), an Kugel- akazien (Robinia Pseudacacia L. var. umbraculifera D. C., mit gewundenen Zweigen var. tortuosa I). C.), bei Allee-Pappeln: Populus nigra L. (Schwarzpappel), P. canadensis Michaux (kanadische Pappel) und P. italica Mech (Spitzpappel). Es kommt dies von dem Köpfen oder Kröpfen der Bäume, deren Stamm oder Äste sich an den verletzten Stellen narbig zusammenziehen nnd später eine Menge kleiner, oft wirr und struppig wachsender Zweiglein erzeugen. Bei der Kugelakazie ist die Hexenbesenform sozusagen das Normale, das Beabsichtigte. Auch bei der Winterlinde (Tilia ulmi- folia Scop.) und der Sommerlinde (T. platypliylla Scop.) wachsen gern an den Stellen, wo Äste am Stamm gestutzt sind, kleine Schöss­linge in Masse hervor, welche von den Gärtnern angeblich um die Schönheit des Wuchses nicht zu beeinträchtigen, abgestossen werden, sich wieder erneuern nnd schliesslich jene wulstigwarzigen Auswüchse, die nichts weniger denn schön aussehen, an den Lindenstämmen unserer Alleen erzeugen. Diese Lindenbaum-Individuen erzeugen dergl. wirre Zweigausschläge auch aus den Wurzeln, was man z. Z. an den Linden des Charlottenburger Schlossgartens beobachten kann. Bäume, die fort­während gestutzt werden, wie z. B. in der italienischen Schweiz und in der Lombardei und auch bei uns, wo noch Seidenzucht getrieben wird, die Maulbeerbäume (Morus alba L) oder Platanen (Platanus occidentalis L. und PL acerifolia Willd.), bekommen seltsame Äste, die in förmliche Keulenköpfe auslaufen. Auf diesen Keulenköpfen entwickeln sich die Zweige struppig und sparrig d. i. hexenbesenartig. Bezüglich der Platanen kann man diese Erscheinung z. B. an den die Uferpromenade der Stadt Lugano bildenden Alleebäumen in der auf­fallendsten Weise sehen. Ferner ist der Stockausschlag mancher ge­fällten Bäume z. B. der Edelkastanie (Marone) (Castanea sativa Mill. = (vesca Gaertn.) so sparrig und struppig, dass auch hier