Heft 
(1896) 5
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Bericht über die 2. (1. Arbeits-) Sitzung des V. Vereinsjahres.

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Pufahl geschilderten Zeit. Der seltene, zeitgeschichtlich bedeutsame Stempel scheint bis dahin ganz unbekannt gewesen zu sein.

22. Der neu aufgefundene Berlinische Annalist von 1434. Unter dieser Bezeichnung berichtet Herr E. Friedel über eine in den Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, Historisch-philologische Klasse, 1895, Heft B S. 25!)271 enthaltene Mitteilung von Wilhelm Meyer (aus Speyer) Professor in Göttingen, welche sich betitelt:Der Berliner Annalist von 1434 wie folgt.

Als ich, sagt Meyer,mit der Beschreibung der Göttinger Hand­schriften beschäftigt war, kam mir ein gedrucktes Buch der Göttinger Bibliothek in die Hände, in dem hinten einige Seiten beschrieben waren. Es waren historische Notizen; ich ging der Notiz über die Marienkirche in Berlin nach und sah bald, dass sie noch unbekannt war. Hätten nun diese 100 Zeilen Text eine Stadt gewöhnlicher Grösse oder mit alter Vorgeschichte betroffen, so hätte ich sie beiseite gelegt. Doch sie be­trafen Berlin, und wenn auch die Muse der Geschichte nicht vor dem Erfolge sich beugt, so muss sie doch gerade die Personen und Gemeinwesen am meisten beachten, die der Erfolg hoch gehoben hat. Durch die Fügung des Schicksals, die Gunst seiner Fürsten und die Thatkraft seiner Bürger ist Berlin eine wichtige Arbeits­stätte der Menschheit geworden. Seine Entwicklung betrachten sehr viele mit Aufmerksamkeit. Allein was ist, kann nur der verstehen, der weiss, was war; deswegen mühen sich viele, die alte Geschichte Berlins zu erforschen. Sind nun die Anfänge Berlins bescheiden gewesen, so sind die geschichtlichen Nachrichten darüber ungewöhnlich dürftig. Aus der Zeit vor der Reformation haben wir von Berlinern verfasste geschicht­liche Berichte gar nicht, von märkischen Geschichtschreibern fast nur Wusterwitz; aber seine lebendigen, bald reichhaltigen, bald lückenhaften, leider unsicher überlieferten Schilderungen märkischer Ereignisse aus der Zeit von 13901425 kümmern sich sehr wenig um Berlin. Deshalb entschloss ich mich, diesen Anfang der Berliner Geschichtsschreibung näher zu untersuchen. Dabei ward ich bestens unterstützt durch meinen Neffen, Dr. Karl Hoppe, einen geborenen Berliner und jetzigen Gymnasial­lehrer daselbst. Was er und was ich gefunden, das habe ich hier ver­einigt zum Nutzen derer, welche die Geschichte Berlins und der Mark lieben.

BesonderesWohlwollen fürBerlin spricht aus dieser Einleitung, nament­lich dem gesperrt gedruckten Satze, nicht, indessen wollen wir hierüber mit Herrn W. Meyer nicht rechten, vielmehr uns der schätzenswerten Be­reicherung, welche namentlich die Kulturgeschichte unserer Heimat er­fährt, dankbar erfreuen. Es sind 108 kurze lateinische Zeilen, die der Annalist, der ein Berliner war, in dem bezeichneten Jahr niederschrieb.

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