Heft 
(1896) 5
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Bericht über die 2. (1. Arbeits-) Sitzung des V. Yereinsjahres.

lorenen Schlachten. Nachdem der korsische Sieger eingezogen, huldigten ihm viele; nicht blos Speichellecker und Intriganten tauchten an vielen Stellen in Berlin auf, die, obwohl preussische Unterthanen, dennoch völlig­em französischen Sinne wirkten, sondern direkt schädliche Subjekte, welche den der Zwingherrschaft offen oder geheim entgegenarbeitenden Vaterlandsfreunden durch Spionieren und durch Angeberei, sowie als agents provocateurs höchst gefährlich wurden und manchen zur Flucht zwangen. Erhebend ist nun für unser preussisches Herz, dass es trotz der allgemeinen Erniedrigung und trotz der den Patrioten drohenden Gefahren edle Männer und Frauen gab, welche den gesunkenen Mut zu beleben, das verloren gegangene Vaterlandsgefühl und den aus diesem entspringenden Widerstand gegen den fremden Unterdrücker uen zu beleben wagten, ausserdem aber das Mögliche thaten, um der schrecklichen Not und Verarmung zu begegnen, die während der französischen Okkupation immer mehr und mehr um sich griffen. Es seien die Namen Fichte, Schleiermacher, Hanstein, Zelter, Oberfinanzrat Sack, Hofprediger Sack, Gubitz, Gräfin Sophie Schwerin geh. Dönhoff genannt. Bezeichnend für die Stimmung in den hiesigen bürgerlichen Kreisen ist ein bislang un- gedrucktes Tagebuch, welches Karoline Sack, zweite Tochter des Hof­predigers Friedrich Samuel Gottfried Sack, in den Jahren 1806 und 1807 geführt hat und das Frl. Pufahl benutzen konnte.

Es sei Vorbehalten, auf Einzelheiten dieser gehaltreichen Abhandlung- später zurückzukommen.

21. Herr E. Friedel legt unter Bezugnahme auf die soeben be­sprochene Pufahlsche Schrift ein messingenes Siegel der franzö­sischen Polizei in Berlin vor, dessen Grösse und Beschaffenheit aus der hier folgenden Abbildung hervorgehen.

Das Siegel ist durch Herrn Realschullehrer Gischel zu Rosenheim in Bayern, der sich viel­fach bereits um die Sammlungen des Märkischen Museums wohl verdient gemacht hat, für die letzteren erworben worden.

Die Inschrift lautet: Surveillance de la Po­lice de Berlin.

Der Adler ist naturalistisch gehalten. Er hält das Blitzbündel des Jupiter in den Fängen und schaut heraldisch gesprochen, nach links. Die kaiserliche französische Krone schwebt über ihm in der Luft, wie dies nach einer Bemerkung- des an­wesenden Ausschussmitgliedes, Herrn Major von Maltitz, damals üblich war.

Es handelt sich offenbar um ein Dienstsiegel der geheimen franzö­sischen Polizei in der preussiscken Hauptstadt aus der von Fräulein