Heft 
(1896) 5
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Bericht über die 2. (1. Arbeite-) Sitzung des V. Vereinsjahres.

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Schule zu Brandenburg. Um 1576 etwa heiratete er Anna Schuller, Tochter des dortigen Bürgermeisters Andreas Schullern 1), und wurde dan Stadtschreiber (Syndikus), in welchem Amt er nach ungefähr zehn Jahren verstarb. In den letzten Jahren war Garcaeus auch Kurfürstlicher Richter am Schöppenstuhl zu Brandenburg. Von geschichtlichen Nach­richten giebt Pieper in diesem Programm nur eine im Altstädtischen Rechnungsbuch 1582 vermerkteHistoria welcher gestaltt der Glockthurm an der Pfarkirchen S. Catharinao, jn der Newen stadt Brandenburgk, den 30. Martii, morgens frühe umb 3 hora, dieses 82. j. jn einen hauffenn gefallen. Der Bericht schliesst in schlichter Einfalt:Gott gebe das

dieser einfall des thurms beiden stedten Brandenburgk, auch der gantzen Marcke, keine grosse verenderunge vndt vndtergangk bedeutte.

Auf diesen sorglichen ersten Teil des Garcaeus lässt der Herr Verf. hoffentlich den 2., die Werke des Historikers behandelnden Teil, recht bald nach folgen.

B. Zum Jahresbericht des Königstädtischen Gymnasiums.

Johannes Bolte: Martin Friedrich Seidel, ein branden- burgischer Geschichtsforscher des 17. Jahrhunderts. Mit einem Brustbild Seidels, der am 18. Februar 1621 zu Berlin geboren, Anfang- Mai 1693 verstarb und in der Familiengruft zu St. Nikolai hierselbst beigesetzt ward. Berühmt ist Seidel hauptsächlich durch sein Hauptwerk, die Bildersammlung berühmter Märker. Seidel ist für unsere Branden- burgia eine so bedeutsame Persönlichkeit, dass über ihn besonders berichtet werden soll und zwar wird dies Herr Dr. Otto Pniower in einem Aufsatz über die wichtige Schrift unseres Bolte thun. Letzterer hat seiner Abhandlung als Motto die Worte der Schrift vorangestellt: Colligite fragmenta, ne quid supersit und diese Mahnung selbst mit einem erstaunlichen Fleiss und einer entsprechenden Belesenheit auf das Glücklichste befolgt.

C. Zum Jahresbericht der Dorotheenschule.

Katharina Pufahl, Oberlehrerin; Berliner Patrioten wäh­rend der Franzosenzeit 1806 bis 1808.

Erfreulich ist es, dass unsere Lehrerinnen sich jetzt auch bei der Abfassung der wissenschaftlichen Beilagen zu den Schulprogrammen beteiligen, und besonders dankenswert, wenn sie so treffliche geschicht­liche Beiträge liefern, wie dies seitens der Verfasserin hier der Fall. Es ist der trübste Abschnitt- der trüben Zeit zwischen 1806 und 1812 der hier behandelt wird, Kopflosigkeit der Behörden, Feigheit der Mili­tärs, dumpfe Gleichgiltigkeit derregierten Bürger folgte auf die ver-

1) Der Bruder dieses Schuller ist Georg Schuller, bekannt unter dem Namen Sabinus als märkischer Geschichtsforscher und Latein-Dichter, geb 1508, + 1560, Schwiegersohn Melanchthons.

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