Bericht über die 2. (1. Arbeite-) Sitzung des V. Vereinsjahres.
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engeren, genossenschaftliche Leistungen, wie Kirche und Kirchhof, Gemeindehäuser und Denkmäler, Wegebauten u. a., im weiteren Sinne. Der Verf. macht unter unserer vollen Billigung Front gegen das fast systematisch zu nennende Einpfropfen fremder Kulturelemente auf die Volkskunst, welches gewissermassen in Schulaufsichtswege erfolgt, während gerade im Gegenteir das schwache aber edle Reis der heimatlichen Kunstübung von oben her und auch seitens der Tagespresse gehegt und gepflegt werden sollte.
Vom Standpunkt der Heimatkunde können wir Herrn Mielke nur durchaus beiptlichten und nur wünschen, dass seine Mahnungen nicht gleich denen des Predigers in der Wüste ungehört und unbefolgt verhallen mögen.
24. Herr Robert Mielke sprach hierauf über die Blockbau- Kirche von Burschen bei Schermeisel, Kreis Ost-Sternberg, welche als einziges derartiges Bauwerk der Provinz Brandenburg, kürzlich von ihm aufgefnnden ist. Der Vortrag wird ausführlich im Archiv der Gesellschaft erscheinen.
An denselben knüpfte sich eine lebhafte Besprechung, an der die Herren Geh. Baurat Bluth, Prof. Dr. Conwentz, Dir. des West- preussischen Provinzial-Museum, W. von Schulenburg, Dr. Bahrfeld und E. Friedel teil nahmen.
Herr Mielke hatte in seinem bezüglichen ersten orientierenden Artikel in der Voss. Zeitung vom 13. d. M. (Eine Blockhauskirche in der Mark Brandenburg) die Befürchtung ausgesprochen, dass die sehr baufällige Holzkirche demnächst abgebrochen werden würde. Herr Bluth bemerkte jedoch, dass er als Provinzial-Konservator bereits Schritte gethan habe, um das Bauwerk zu erhalten.
Da Herr Mielke in dem beregten Artikel schreibt, dass das seltene Bauwerk vielleicht im Anschluss an den Neubau des Märkischen Provinzial-Museumsbaus hierher transportiert und wieder aufgerichtet werden könne, so erinnert Herr Friedel daran, wie der kunstsinnige König Friedrich Wilhelm IV. einst die freilich kunstvoller, ausgestattete norwegische Holzkirche von Wang habe auf seine Kosten nach dem Hirschberger Thal in Schlesien transportieren und wieder aufbauen lassen, vorzuziehen sei jedoch, das Bauwerk als ehrwürdiges Dokument der auch bei uns einst vielfältig geübten volkstümlichen Holz- baukunst an Ort und Stelle zu belassen. Nach der ungemein lehrreichen und grossartigen böhmisch-slavischen ethnographischen Ausstellung zu Prag (národopisná vystava ceskoslovanská v Praze) 1895 habe man die im Blockverband erbaute Holzkirche von Kostel mit zierlichem Turm, überdeckter Zugangshalle und seitlichen Schutzdächern hingeschafft und so-