Bericht über die ‘ 2 . (1. Arbeite ) Sitzung des V. Vereinsjahres.
57
gebrandschatzt.“ So berichtete mir ein Kossät von Wittstock . Also so lange hatten noch diese armen Dörfer an den Nachwehen jener schweren Lasten aus der „Franzosenzeit“ zu leiden. „In’t J emee ne“, d. h. im „Schultenhus“, Schulzenhaus, war eine grosse „(Holt-) Tofele“. Auf der Tafel waren lauter kleine Vierecke, genannt „Fäcker“ (Fächer) mit weisser Ölfarbe gemalt, so viele als Bauern und Kossäten da waren. Deren Namen standen in den Fächern und da „up det Fack lede“ (legte) jeder sein Geld hin oder liess es hinlegen. Denn zum Geldzahlen brauchte der „Wirt“ nicht selber kommen. „Die Büdner hatten keine Abgaben.“
In unsrer Zeit, soweit mir bekannt geworden, in der Mark wurden und werden die Bekanntmachungen mit dem Hammer auf einem „Zettel“, also auf einem Stück Papier, herumgeschickt. Der Zettel wird entweder am Hammer festgenagelt oder festgeklebt, oder auch in einen Schlitz, einen Einschnitt des Hammers, festgesteckt, wie bei dem Hammer von Dergischow. Im Dorfe Schmogrow, am Spreewald, das wendischsprechende Bevölkerung hat, sah ich (etwa 1877 oder 1878) einen zierlich gedrechselten Schulzenhammer, dessen eigentlicher Schlägel aus zwei Hälften bestand. Die äussere Hälfte konnte am Hammerstiel, der dort ein schraubenförmiges Gewinde hatte, auf- und niedergeschraubt werden. Zwischen diesen beiden Hälften wurde der Zettel gelegt und der Hammer zugeschraubt.
In manchen Dörfern des Kreises Teltow sind jetzt zwei Hammer, so in Kummersdorf und Alexanderdorf bei Sperenberg. Einen hat der Schulze, den andern der „Steuererheber“, der zu diesem Amte von der Gemeinde gewählt wird. Jeder lässt seinen Hammer herumgehen, wenn es nötig ist. In dem Dorfe Dergischow fand ich sogar vier Hammer vor. Zweie hat der Schulze und zweie der Steuererheber. Je einer ist für die Bauern und Kossäten und je einer für die „kleinen Leute“, die Büdner und Tagelöhner. Manche Gemeindeleistungen gehen nur die Bauern und Kossäten an, z. B. gewisse Gespanndienste, andere wiederum nur die kleinen Lente. Dann wird der‘betreffende Hammer herumge- geschickt. Kossät ist bekanntlich ein Mittelding zwischen Bauer und Büdner, und heisst eigentlich Kotsasse, Insasse, Inhaber, Bewohner einer Kote oder Kate (Hütte, Haus), so heissen z. B. an der Ruhr in Westfalen Bergleute und Fabrikarbeiter „Kötter“, weil sie ein eignes Haus besitzen.
Der Schulzenhammer ist also ein Amt- und Würdezeichen des Schulzen. Wo er erschien, brachte er die Anordnungen des Schulzen. Schulze ist ein uralter deutscher Name, die ihn tragen, können stolz daraut sein, und eine uralte deutsche, Würde. Schulze ist zusammengezogen aus Schultheiss, und der Schultheiss war ein Würdenträger bei