Heft 
(1898) 7
Seite
21
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19. (8. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres. 21

9. Volkstümliches und Kulturgeschichtliches aus der Pflanzen­welt der Mark Brandenburg.

Von E. Lemke.

Geehrte Anwesende! Schon wiederholt haben in unserm Verein Volkstümliches und Kulturgeschichtliches aus der Bilanzen weit der Mark Brandenburg den Vortragsstoff gebildet; nach mancher Richtung hin wird alles Hierhergehörige erschöpfend herangezogen sein. Somit möchte es befremden, dass auch meine Mitteilungen besagtes Thema berücksichtigen wollen. Es verhalt sich jedoch damit, wie mit der Wanderung eines Botanikers, der zwar längst alle bekannten und bei­nahe alle seltenen Pflanzen in seinem Herbarium beisammen hat, der aber sein Lebenlang nicht müde werden könnte, immer wieder auf Aus­beute zu gehen, sei es, dass er neue Fundorte feststellen will oder ein Herbariums-Exemplar ergänzen resp. ersetzen muss, oder was sonst für einen Grund zur Wanderung er ausfindig macht. Trägt er eine grosse Botanisier-Trommel mit sich, so wird sie auf jeden Fall gefüllt; und ist die Trommel mir klein, so wird sich der Ptlanzenfreund nicht einen Augenblick besinnen, alles sonstigeAufgenommene in seinen Taschen unterzubringen oder liebevoll in den Händen zu tragen. Und wenn jemand ihm sagen würde:Mein Gott, dieses Zeug kennen Sie ja längst! das haben Sie gewiss schon vor Jahren nach Hause ge­tragen; was ist nun noch besonderes daran für Sie? dann wird er, je nach seinem Gemütszustände, glückselig lächeln oder feindselig und hochmütig den Sprecher anschauen; er kann sich nicht in eine Auffassung hineindenken, die an bekannten Dingen nichts mehr zu beobachten hat. Aber sehr oft ist ein überraschend Neues hinzugekommen.

Einer solchen Wanderung, die auch längst Bekanntes berücksichtigt, möchte ich meinen bescheidenen, kleinen Vortrag vergleichen. Es ist zwar ein wahres Wort: wer sich entschuldigt, ehe er gefragt wird, klagt, sich selber an; aber ich bin es Ihnen doch schuldig, zu sagen, dass es nicht meine Absicht ist, ein irgendwie abgeschlossenes, grösseres Bild zu liefern; Sie werden nur einige Einzelfragen herangezogen sehen, und diese Fragen werden nur sehr alltägliches betreffen.

Vor wenigen Monaten wurde im Oberharz, auf dem sogenannten Brandhei, zwischen Braunlage und Tanne, unter dichtem Waldgestrüpp ein merkwürdiges Denkmal aufgefunden, das dort vor 150 Jahren er­richtet worden und inzwischen ganz in Vergessenheit geraten war. Als man zufällig den Wald an dieser Stelle lichtete, legte man zur grössten Überraschung einen 2 Meter hohen Granitblock frei, der auf eiserner lafel die Inschrift trägt:Hier wurden im Jahre 1747 die ersten Ver­suche mit dem Anbau der Kartoffel gemacht. (D. Tagesztg. 5. Okt. 97.)