22 19. (8. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
Für strebsame Mitglieder der „Brandenburgs“ oder solche, die es werden wollen, bietet sicli liier eine hübsche Aufgabe. Man mag über Denkmäler — die bekanntlich in unseren Tagen wie Pilze aus der Erde schiessen — denken, wie man will, immerhin wäre es interessant zu wissen, auf welchem Plätzchen in der Mark Brandenburg die ersten Versuche mit dem Anbau der Kartoffel gemacht worden sind. Einem dahinzielenden Bemühen kann die Richtung angegeben werden. Diese Richtung betrifft die Umgegend von Berlin. In seinem Büchlein „Der Kartoffelbau“ (2. Aufl.) sagt Hugo Werner: „Berlin war einer der ersten Orte, in dessen Nähe 1738 die Kartoffeln zuerst im grossen zur menschlichen Nahrung angebaut wurden. Friedrich Wilhelm I. schenkte nämlich einem Krankenhause (der Charite) Land unter der Bedingung, für Arme und Kranke darauf Kartoffeln zu bauen“. Es möchte nicht überflüssig sein, einige Angaben über die Kartoffel, soweit es Deutschland betrifft, einzuflechten. II. Werner erzählt uns, dass sie angeblich schon im Jahre 1587 von einem Arzte Dr. Scholz angebaut wurde; auch besass Joachim Camerarius 1588 Kartoffeln in seinem Garten zu Nürnberg, wie Graf von Helfstein 1595 in seinem Garten zu Wiesensteig. Um diese Zeit war die Kartoffel (nach Caspar Sclnvenkfelder) auch in Schlesien ziemlich gewöhnlich; sie wurde aber nur in der Asche ge- geröstet. In Westfalen und Niedersachsen begann die Kartoffelkultur um 1640, in Braunschweig um 1647; in diesem selben Jahre führte Hans Kogler aus Selb sie im Voigtlande ein. Und 1651 baute der Grosse Kurfürst die Kartoffel im Berliner Lustgarten an. Nach Preussen kam die Kartoffel durch Pfälzer im Jahre 1720. Eine allgemeinere Verbreitung fand der Anbau in ganz Deutschland jedoch erst durch die Hungersnot von 1745 und durch die Anstrengungen, welche Friedrich der Grosse auf sein Regierungs-Programm gesetzt hatte. Die von dem weisen Könige angeordneten Anbauvei’suche wurden mit dem grössten Widerstreben (besonders in Pommern) in Angriff genommen, sodass eigentlich nur die Teuerungen 1771—72 die Vorurteile beseitigen konnten. Seit dieser Zeit begann die Kartoffel, hauptsächlich auf leichtem Sandboden, eine vollständige Umänderung des landwirtschaftlichen Betriebes anzubahnen. — Heute beträgt die Anbaufläche im Deutschen Reiche beinahe 3 Millionen Hektar, welche durchschnittlich 500 Millionen Centner Kartoffeln liefern.
Ich will die mehr oder minder bekannte Entwicklungsgeschichte des Namens unerwähnt lassen, möchte aber bemerken, dass die Kartoffeln in Böhmen „Brambory“ — korrumpiert aus Brandenburg — heissen; und aus der grossen Zahl von Sorten nenne ich als hierhergehörig: die rote märkische und die frühe rote märkische oder rote Fürsten- walder Kartoffel.
Nach R. Blanck gingen die Bemühungen Friedrich des Grossen