19. (8. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
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soweit, dass er im Jahre 1765 den Landleuten bei Strafe anbefehlen musste, dass von jedem Wirte im Dorfe mindestens zwei Metzen Kartoffeln jährlich ausgepflanzt wurden. R. Blanck hält 1748 für das Jahr der Einführung von Kartoffeln; mithin könnten wir jetzt in der „Branden- burgia“ ein 150jähriges Jubiläum mit Bratkartoffeln, Kartoffelkuchen (Puffert), Kartoffelsalat u. s. w. feiern. Zur Zeit unserer Urgrossväter wurde die Kartoffel häufig nur wie Käse zum Brot gegessen.
Von massgebender Seite wird behauptet, dass in Frankreich erst die Schrecknisse von 1703 und die Hungersnot von 1817 die Kartoffel zu Ehren gebracht haben, während hier schon der dreissigjährige Krieg eine günstige Unterlage gebildet haben soll; nachhelfend hätte dann der siebenjährige Krieg und vollendend der Befreiungskrieg gewirkt. Auf jeden Fall i gelang nur der bitteren Not das Eroberungswerk des so lange missachteten Gewächses, welches bekanntlich zu der Familie der Nachtschatten (Solanaceen) gehört.
Es wird einen und den anderen von Ihnen überraschen und belustigen, zu hören, dass der Grosse Kurfürst keineswegs auf dem Kartoffelfelde mit Friedrich dem Grossen um die Ehre des Nachruhms in die Schranken tritt. Die Kartoffeln wurden — „ihrer schönen Blüte wegen“ als Zierpflanze in den Berliner Lustgarten gebracht und sind überhaupt auf diesem uns heute nicht ganz verständlichen Wege zuerst in die Mark Brandenburg gekommen; bei aller Liebe zur ewig schönen Natur möchte es doch keinem von uns einfallen, ein Sträusschen Kartoffelblüten etwa zu anmutig sein sollendem Geschenke zu pflücken oder zu kaufen. „Die Kartoffel ist (sagt Franz Söhns in „Unsere Pflanzen“, S. 47) jahrzehntelang eine Gartenstaude geblieben; das Volk verschmähte sie lange Zeit und sah eine Bosheit der Vornehmen darin, dass man ihm dieses (entschuldigen Sie!) „Schweinefutter“ empfahl, während man doch wisse, dass die menschliche Nahrung in Korn, Hülsenfrüchten und Fleisch bestehe“. (Augenblicklich gelwren die Chinesen zu den die Kartoffel ablehnenden Völkern.)
Der Wert der Kartoffel als Nahrungsmittel beruht, wie wir wissen, fast nur auf ihrem Gehalt an Stärkemehl. Eine ausschliessliche Ernährung durch diese sonst so überaus schätzenswerte Frucht ist ein Ding der Unmöglichkeit; Moleschott sagt, dass derjenige, der sich 14 Tage lang nur mit Kartoffeln sättigen müsste, nicht mehr imstande sein würde, sich diese Kartoffeln zu verdienen. (In Irland, in einigen Teilen Schlesiens u. s. w. sprechen zahlreiche Krankheiten und eine ausserordentlich grosse Sterblichkeit für diese Behauptung.)
Von der allmählich fortschreitenden Schätzung der Kartoffel in der Mark Brandenburg giebt uns Ioan. Sigism. Elszholtz in seinem umfangreichen Buche „Vom Garten - Bau“ (gedruckt zu Cölln an der Spree, 1684) Nachricht. So heisst es von den „Tartufteln“: „Allhier muss