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19. (8. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.
man nicht verstehen die Erdmorcheln, welche sind ohne Stengel und Blätter, als welche von den Welschen Tartuffeln genannt werden, sondern diejenigen, so ein vollkommen Gewächse sind und gehören unter das Geschlecht der Nachtschatten; Solanum tuberosum esculentum. Hiervon ist noch eine andere Art vorhanden, nämlich Solanum tuberosum esculentum flore albo, Tartuffeln mit weissen Blumen und gelben Wurzeln, da an den ersten die Blumen purpur und die Wurzeln roth sind. (Heute sprechen wir von weissen und gelben, von roten und blauen Kartoffeln.) Diese Tartuffeln bevderseits können durch Samen fortgebracht werden, aber langsam: derthalben nehmet die Knollen derselben und leget sie in der Fasten mit dem vollen Mond ein—zween Zoll tief und vier von einander, gleichfalls in ein fett, mürbes und etwas sandig Erdreich; so wachsen sie wol, vermehren sich mercklich, blühen im Sommer schön und bringen hernach runde Aepfflein voller Samen. Im Octol>er, weil sie den Winterfrost olm Schaden nicht leicht ex-tragen, nehmet sie aus der Erden, leset die grösten aus zur Speise, die kleinen leget im Keller ins Sand oder thut sie nur so bloss in einen Kober und setzet sie in ein Gemach, welches vom Fi’ost befreyet; davon könnet ihr auffs Frühjahr wieder etliche ins Land bi’ingen. Jedoch können sie auch den Winter ausdauren, wenn ihr sie auff ihrem Bett ziemlich tieft' vergrabet und mit Stroh bedecket, ln der Küche werden sie fürnehmlich auff viererlei Art zubereitet. Erstlich siedet sie in Wasser mürbe, und wenn sie erkaltet, so ziehet ihnen die auswendige Haut ab; alsdann giesset Wein drüber und lasset sie mit Butter, Saltz, Muscatenbluinen und dergleichen Ge- würtz von neuen kochen: so sind sie bereit. Danach kan man sie mit Hüner-, Rind- oder Kalbfleisch-Brühe kochen und abwiirtzen, oder sie auch an Rind- und Hammelfleisch tliun. Oder man schneidet die ab- gekochete Tartuffeln in l’unde Scheiben und bratet sie in der Pfanne. Oder man schneidet Zwiebeln und Essig dran und lasset es also durchbraten“.
Der gute Elszholtz, der übrigens Hof-Medicus war, hat sein Buch dem Grossen Kurfürsten und dessen Gemahlin Dorothea gewidmet, mit der Bemerkung: dass im Zusammenhang mit Garten, Blumen und Früchten niemand sich zum Vergleiche mit den hohen Herrschaften bequemer fügen könnte, als Apollo und Diana. Und in der Einleitung sagt er u. A.: „Wo findet man mehr zugelassene Ergetzlichkeit, wo findet man ehrlichem Gewinn, als bey der Gärtnerey? Was belustiget die Augen mehr, als ein auffgeputzter Garten? — Als Cyrus einsmahl von dem Spartanischen Fürsten Lysander besuchet ward, zeigete er diesem fürnehmen Gast seine Herrligkeiten und führete ihn endlich auch in seinen Garten zu Sardis. Lysander, nachdem er die fleissige Ein- theilung des gantzen Wercks, die Mannigfaltigkeit der Gewächse und die nach der Schnur ganz ordentlich gepflanzte Bäume mit bedacht