Heft 
(1898) 7
Seite
25
Einzelbild herunterladen

19. (8. ordentl.) Versammlung des VI. Vereinsjahres.

25

durchschawet, entsatzto er sich und sprach: Ich verwundere mich über diese Pracht, aber ich halte noch höher den Künstler, der dieses alles so zierlich angeordnet hat. Als Cyrus dies hörte, getiel es ihm über die massen wol und sagte weiter: Mein Lysander, Alles dieses habe ich mit meinen Händen verfertiget, auch das meiste selbst gepflanzet. llierauff sähe Lysander den Cyrum, welcher die Königliche Krön auff dem Haupte trug und mit der allerkostbarsten Kleidung angeleget war an und sprach: Solltet denn ihr, Herr König, mit eweren Händen etwas allhier gepflanzet haben? Da antwortete Cyrus: Verwundert ihr euch hierüber, Lysander? Ich schwere bey dieser Cron, dass bey gesunden Tagen ich niemahls zur Tali'el gehn, ehe ich mir, es sey durch Kriegs-, Garten- oder Feldarbeit einen Schweiss abgejaget.

Ob der Herr Hof-Medicus ein Gleiches dem Grossen Kurfürsten anraten musste?! Jedenfalls weist er mit aufrichtiger Freude auf die von jenem geschaffenen herrlichen Anlagen in Cölln an der Spree, in Potsdam, Bornheim, Glienicke u. s. w. hin. Hier wäre wieder das mit Abbildungen geschmückte, wertvolle Buch von Ferd. Meyer:Der Berliner Tiergarten von der ältesten Zeit bis zur Gegenwart in Er­innerung zu bringen.

Interessante Mitteilungen über volkstümliche Benennung der Kar­toffel in der Mark, sowie einige weitere einschlägige Bemerkungen brachte W. von Schulenburg in No. 5 des 5. Jahrganges desMonatsblattes.

Die Geschichte einer andern Kulturpflanze, nämlich der Teltower Rübe, könnte man mit Alexius Becker (D. Tagesztg. 5. Okt. 97) zu sprechen durch sämtliche Epochen verfolgen, so lange die Holien- zollern über die Mark herrschen, aber noch weit darüber hinaus. Elisabeth Charlotte von Orleans (Tochter des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz und einer Prinzessin von Hessen-Kassel, geh. am 27. Mai 1652 in Heidelberg, gest. am 8. Okt. 1721 in St. Cloud, nach Trennung der Ehe ihrer Eltern erzogen von ihrer Tante, der Kurfürstin Sophie von Hannover, und aus politischer Berechnung im Jahre 1671 mit dem Bruder des Königs Ludwig XIV. von Frankreich, dem Herzog Philipp von Orleans vermählt), die pfälzische Liselotte, die unentwegt deutsche Frau, führte die Teltower Rübe als besonderen Leckerbissen aus der Kurmark am französischen Hofe ein.

ImMonatsbl. 6. Jahrg. No. 7 bringt Herr Geh.-R. Friedei einige Notizen über den Rübenbau in der Mark. Daran möchte ich zu­nächst die Bemerkung knüpfen, dass bereitsdie ersten Urbarmacher der Mark Brandenburg, die fleissigen Cisterzienser Mönche, alljährlich dem Papste in Rom zwei Tönnchen Teltower Rüben sandten, und so­dann mögen hier weitere Angaben A. Beckers folgen. Danach brachten die Bürger von Teltow den Ertrag ihrer Äcker schon in sehr früher Zeit zur Doppelstadt Berlin-Cölln auf den Markt; sie tauschten dafür