Heft 
(1898) 7
Seite
123
Einzelbild herunterladen

B. Seiffert, Das Dominikanerkloster in Strausberg.

123

osten der Kaminer, im Osten der Soldiner Bezirk als Grenze gegeben ist, so bisst sieh daraus schliessen, dass der Strausberger Bezirk etwa das Doppelte des heutigen Kreises Oberbarnim umfasst hat.

Was die Predigerbrüder aus ihrem Bezirk an Naturalien, Eiern, Butter, Käse, Brot und Früchten Fleisch durften sie in den ersten Zeiten überhaupt nicht essen in die Klosterküche heimgebracht Italien, ist wohl reichlich genug gewesen zu ihres Leibes Notdurft und Nahrung. Im Laufe der Zeit wurden fromme Stiftungen, Vermächtnisse und Schenkungen aller Art gemacht, welche anzunehmen erst still­schweigend geduldet, doch seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts vom Päpstlichen Stuhl offiziell gestattet wurde. Zwar gehörte persönliche Armut ebenfalls zu den Ordensgelübden; durfte aber nicht trotzdem der Orden selbst oder das Kloster als solches Eigentum und irdische Schätze erwerben? Und wie bereitwillig gab der Kranke, der sein Ständlein gekommen fühlte, sein Letztes, sein Alles daran, wenn er dadurch die Versicherung erhielt, dass seiner sündigen Seele die Qualen des Fege­feuers gekürzt werden würden; wie gern opferte der Wohlhabende und Wohllebende von seinem Überfluss, um teilzuhaben an dem Verdienst, das die Klosterbrüder durch ihre frommen Werke so reichlich bei dem lieben Gott zu erwerben Vorgaben, dass auch für andere noch genug abfiel;*) wie gern und gewissenhaft wurden da Seelmessen gelesen und

*) Folgende Urkunde vom Jahre 1504 ist in dieser Beziehung sehr lehrreich Deuotis in rristo ihesu tiliis dilectis piscatoribus in soldin in solidum et uxorihus eonim liberis<|ue eomm ffrater Johannes botzin, ordinis predicatorum conuentus brandenburgensis ac theologiae professor ac heretice pranitatis inquisitor nec non eon- tractum (?) marchie vicarins imineritus, Salutem et opermn salutarium continuum increinentuni. Kxigente pie denotionis aftectu, <piein ad nostri ordinis conuentum Soldinensem bnbetis, vobis oinniuin missaruin, orationum, penitcncinrum, jejuniorum, psalteriorum, vigilia rum, abstinentiarum, laborum cetero rum<|ue bonorum operuni, qne j>er fratres nostrormn connentnum branden­burgensis, rnppinensis, soldinensis, zehusensis, Strnzebergensis, berlinensis, pritns- laniensis et tangermundensis operahitur ihesus eristus, fraternitatem ac participationem in otnnibus presentium )>er tenorem concedo, scilicet tarn in vita quam in morte. Volo insuper et ordino, quod anime vestre post decesstis vestros secundum morem rccoinmenilentnr orationibus aut nostro Seruitio cottidiano, 8i obitns vestri ibidem fuerint nobis nnnc- ciati. In cuius rei testimonimn sigillum ofticii eonuentns soldinensis duxi presentibus appendendnin. Datum soldin, Anno dom. MPIIII ipso die dedicationis predicti conuentus. [Riedel I, 18. S. 505 No. 93]. Im Archiv ist noch eine Urkunde, Pg. 45 vom II. September 1485 (?) erhalten, nach welcher der Prior Ambrosius Bredenfelt des Augustinerkonvents in Königsberg, Neumark, einen Bürger Strausbergs mit seiner Mutter in die Gemeinschaft aller guten Werke des Ordens aufnimmt. Riedel bringt die Urkunde zweimal, in I, 24 S. 463 No. 172 mit dem Datum 15. September 1482, in I, 12 Strausberg No. 71 mit dem Datum 13. September 1489. Da die letzte Zahl im Original Pg. 45 undeutlich geworden ist, so dass man sie ebensogut für V wie X oder sonst etwas lesen kann, wird dus Datum ganz genau nicht mehr festzusetzen sein.

9 *