Heft 
(1898) 7
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B. Seiffert, Das Dominikanerkloster in Strausberg.

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osten der Kaminer, im Osten der Soldiner Bezirk als Grenze gegeben ist, so lässt sich daraus schliessen, dass der Strausberger Bezirk etwa das Doppelte des heutigen Kreises Oberbarnim umfasst hat.

Was die Predigerbrüder aus ihrem Bezirk an Naturalien, Eiern, Fleisch durften sie in den ersten Butter, Käse, Brot und Früchten Zeiten überhaupt nicht essen in die Klosterküche heimgebracht haben, ist wohl reichlich genug gewesen zu ihres Leibes Notdurft und Nahrung. Im Laufe der Zeit wurden fromme Stiftungen, Vermächtnisse und Schenkungen aller Art gemacht, welche anzunehmen erst still­schweigend geduldet, doch seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts vom Päpstlichen Stuhl offiziell gestattet wurde. Zwar gehörte persönliche Armut ebenfalls zu den Ordensgelübden; durfte aber nicht trotzdem der Orden selbst oder das Kloster als solches Eigentum und irdische Schätze erwerben? Und wie bereitwillig gab der Kranke, der sein Stündlein gekommen fühlte, sein Letztes, sein Alles daran, wenn er dadurch die Versicherung erhielt, dass seiner sündigen Seele die Qualen des Fegé­feuers gekürzt werden würden; wie gern opferte der Wohlhabende und Wohllebende von seinem Überfluss, um teilzuhaben an dem Verdienst, das die Klosterbrüder durch ihre frommen Werke so reichlich bei dem lieben Gott zu erwerben vorgaben, dass auch für andere noch genug abfiel;*) wie gern und gewissenhaft wurden da Seelmessen gelesen und

*) Folgende Urkunde vom Jahre 1504 ist in dieser Beziehung sehr lehrreich " Deuotis in cristo ihesu filiis dilectis piscatoribus in soldin in solidum et uxoribus eorum liberisque eorum ffrater Johannes botzin, ordinis predicatorum conuentus brandenburgensis ac theologiae professor ac heretice prauitatis inquisitor nec non con­tractum(?) marchie vicarius immeritus, Salutem et operum salutarium continuum incrementum. Exigente pie denotionis affectu, quem ad nostri ordinis conuentum Soldinensem habetis, vobis omnium missarum, orationum, penitenciarum, jejuniorum, psalteriorum, vigiliarum, abstinentiarum, laborum cetero rumque bonorum operum, que per fratres nostrorum conuentuum branden­burgensis, ruppinensis, soldinensis, zehusensis, Struzebergensis, berlinensis, prims­lauiensis et tangermundensis operabitur ihesus cristus, fraternitatem ac participationem in omnibus presentium per tenorem concedo, scilicet tam in vita quam in morte. Volo insuper et ordino, quod anime vestre post decessus vestros secundum morem recommendentur orationibus aut nostro Seruitio cottidiano, Si obitus vestri ibidem fuerint nobis nune­ciati. In cuius rei testimonium sigillum officii conuentus soldinensis duxi presentibus appendendum. Datum soldin, Anno dom. M° DIIII ipso die dedicationis predicti conuentus.[ Riedel I, 18. S. 505 No. 93]. Im Archiv ist noch eine Urkunde, Pg. 45 vom 11. September 1485(?) erhalten, nach welcher der Prior Ambrosius Bredenfelt des Augustinerkonvents in Königsberg, Neumark, einen Bürger Strausbergs mit seiner Mutter in die Gemeinschaft aller guten Werke des Ordens aufnimmt. Riedel bringt die Urkunde zweimal, in I, 24 S. 463 No. 172 mit dem Datum 15. September 1482, in I, 12 Strausberg No. 71 mit dem Datum 13. September 1489. Da die letzte Zahl im Original Pg. 45 undeutlich geworden ist, so dass man sie ebensogut für V wie X oder sonst etwas lesen kann, wird das Datum ganz genau nicht mehr festzusetzen sein.

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