Bücherschau.
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See zwischen Liepe und Oderberg Kähne, welche mit den sauber abgeputzten Rhizomen der weissen Seerose oder Mummel (Nymphaea alba L.) sowie der gelben Seerose*) (Nuphar luteum L.) angefüllt waren. Die derben zum Teil armdicken Wurzeln der Seerosen, welche in den Altwässern der Oder in grossen Mengen wuchern, waren in Fuss lange Stücke geschnitten. Diese Wurzelabschnitte nennt man, nach Mitteilung unseres gerade anwesenden fachkundigen Mitgliedes Lehrer Heinrich Lange in Oderberg, „Grieben“.**) Sie sind ein beliebtes Futter für das Rindvieh, die Kühe sollen danach gut milchen.
Oderberg in der Mark, 7. VIII 1898. E. Friedei.
Bücherschau.
Herr Dr. Hans Brendicke liess bei Reclam in Leipzig in dessen Universal - Bibliothek (3776 u. 3777) Bilder aus der Geschichte der Leibesübungen erscheinen, die eine anerkennende kurze Besprechung verdienen. Die „Bilder“ sind teils eigenen turnerischen Vorträgen des Herrn Verfassers entnommen, teils sind andere Schriften bezw. Aufsätze auszüglich oder im Wortlaut in geschickter Weise benutzt.
Die Bilder beginnen mit der Gymnastik der Hellenen, schildern die olympischen Spiele, den Fünfkampf der Hellenen, die Volksbelustigungen der Neugriechen, werfen einen vergleichenden Blick auf die griechische Gymnastik und das deutsche Turnen, gedenken sehr kurz der Gymnastik der Römer. Dann kommt das germanische Mittelalter (Erziehung der germanischen Jugend, Bogen- und Armbrustschützen, Ritterdienst und Ritterschlag, die Waffenspiele der Ritter). Aus dem „Zeitalter der Aufklärung“ (John Locke, Voltaire, Friedrich II. von Preussen) wird Rousseau in besonderer Darstellung verdienter Weise herausgehoben. Einleitend wird Luthers berühmter Ausspruch über Musika und Ritterspiel erwähnt. Dieser Ausspruch, den neuere Turnschriftsteller aus der Turngeschichte als unberechtigt wieder entfernen wollen — ich bin damit nicht einverstanden — lautet etwas anders, als Dr. Br. angiebt. Da er oft erwähnt wird, sei er hier in genauem Wortlaut wiedergegeben. „Es ist von den Alten sehr wohl bedacht und geordnet, dass sich die Leute üben und etwas Ehrliches und Nützliches fürhaben, damit sie nicht in Schwelgen, Unzucht, Fressen, Saufen und Spielen geraten. Darum gefallen mir diese zwo Übung und Kurzweil am allerbesten, nämlich die Musika und Ritterspiel, mit Fechten, Ringen u. s. w., unter welchen das erste die Sorgen des Herzens und melancholische Gedanken vertreibet; das andere machet feine geschickte Gliedmass am Leibe und erhält ihn
*) An der unteren Havel „Butterfässchen“ genannt.
*•) Unter Grieben versteht man sonst in der Mark Fettstücken, besonders von der Gans und vom Schwein; ausgehratene Gänse- oder Schweine-Grieben (in Pommern „Greben“), welche mit Apfelschnitten und Zwiebel zubereitet und auf trockenem Brot verzehrt werden, sind ein Leibgericht von Alt und Jung.