Heft 
(1898) 7
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Friedrich Backschat, Kloster Zinna bei Jüterbog.

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kirchhof, dessen Stelle noch bis vor kurzer Zeit durch eine mächtige Pappel gekennzeichnet wurde, hinweg bis an die prachtvollen Giebel­häuser der Abtei. Was Wind und Wetter nicht zu zerstören vermochten, das ist im vorigen Jahrhundert der Baulust zum Opfer gefallen.

Nach wie vor aber bleibt die Klosterkirche der stattliche Mittel­punkt, an Höhe alle anderen Gebäude überragend.

Am 15. Mai 122b 11 ) eingeweiht, erbaut in den Formen des Über­gangsstiles, ist sie zwar nur eine einfache, dreischififige, kreuzförmige Pfeilerbasilika aus Granitquadern mit spärlichem Detail, aber ausge­zeichnet durch eine musterhaft scharfe Bearbeitung des harten Materials, im Innern an Pfeilern und Bögen, äusserlich an den Abtreppungen der Portalwände, an den schiefen Ecken der 5 polygonen Conchen, an den grossen Chorfenstern und an dem freilich nur aus Platte und Flachkehle bestehenden Dachgesimse des Langhauses. Otte 13 ) deutet diese kost­spielige Technik, wo man doch mit Backsteinen viel schneller und wohl­feiler hätte bauen können, als ein Zeichen der gesicherten Zustände und Wohlhabenheit des Klosters.

Im Gegensatz zu der sorgfältigen Steinhauerarbeit 13 ) steht die Sorglosigkeit in allen Abmessungen. Von den je 6, einfach quadratischen, sockellosen Arkadenpfeilern sind die östlichen viel weiter gestellt, als die westlichen.

Iiii Osten schliesst das Längsschiff mit einer, innerlich halbrunden, äusserlich fünfeckigen Apsis ab, und zu beiden Seiten derselben liegen je zwei, innerlich halbrunde, äusserlich dreiseitige Kapellen. Der Chor, die beiden sich an den Chor anschliessenden Nebenkapellen und Quer­schiff sind mit fast quadratischen, die drei Schiffe mit oblongen Kreuz­gewölben, die zwei nach aussen liegenden Nebenkapellen mit Tonnen­gewölben überdeckt.

In den Nebenschiffen finden wir noch sieben roh bearbeitete Krag­steine oder Konsole, sechs davon im Nordschiff, mit schönen spät- romanischen Ornamenten, und eins im Südschift', das in nüchterner Weise ein eidechsenartiges Tier darstellt. Auch die sorgfältig bearbeiteten Schlusssteine sind beachtenswert.

J Winter, a. a. o. Bd. I. Annales Cistercienses, S. 353 715. Anno dni 1226

abbatia de Cena. M. Jd Maji abb. de Coena. W. zu 1226 Cena.

1S ) Otte, Geschichte der deutschen Baukunst. Leipzig 1874. 1 Bd.

ls ) Eckhard, script. rer. Jutreboc, I, S. 65, sagt von den Kirchen zu Zinna und Jüterbog: Durissimi silices et praegrandes, eodem modo ut hodienum lapides arenosi qui in lapicidinis caeduntur, exscissi, politi et mirifice ad utrumque ostium aliasque partes templorum adaptati sunt; qui sane labor invicibilis fuisset, nisiars quaedam durissima corpora haec ita tractandi accessisset, quae naerito inter scientias deperditas recensenda est. Videtur autem descisse seculo XIII, quia ejusdem modo silices . . . in magnis aedificiis eo tempore . . . non facile deprehenduntur.