Heft 
(1898) 7
Seite
419
Einzelbild herunterladen

Friedrich Backscliat, Kloster Zinna bei Jüterbog.

419

Im Aufbau herrscht der Spitzbogen vor, nur die Eingänge zu den Seiteukapellen sind rundbogig. Die Arkadenpfeiler sind quadratisch, gedeckt mit einer unten flach gekehlten Platte; die Portallaibungen sind mehrfach abgetreppt. An die Nordseite der Kirche lehnt sich, die beiden westlichen Fenster des Langhauses verdeckend, ein unscheinbarer Bau des XIY. sec. unter Pultdach, die sog. Abtskapelle.

Der Altar ist noch mittelalterlich, aus Backsteinen erbaut und mit einer kolossalen Sandsteinplatte gedeckt; sein Aufsatz, sovor diesem mit goldenen Marien- und Heiligenbildern ausstaffirt gewesen, ist 1703 weggebrochen und ein Aufsatz mit Holzschnitzerei im Barockgeschmack au seine Stelle getreten. Über dem Altarbilde der alttestamentliche Gottesnamen in hebräischen Buchstaben. 11 ) Vor den Altarstufen findet sich im Fussboden eine Inschrift aus zusammengesetzten Thonplatten, von denen jede einen Buchstaben enthält; es ist der alte Engelsgruss: Ave Maria, gratia plena, dominus tecum, benedicta tu in mulie- l'ibus et benedictus est fructus ventris tui.

Auf der Rückseite des Altars ragt eine kleine, sauber aus Sand­stein gearbeitete Konsole hervor, auf welcher etwa Patene und Kelch Raum haben würden; in der Mitte befindet sich eine kleine Aushöhlung mit zwei Zeilen neugotischer Majuskeln.

An der Nordseite des Chores ist in die Wand ein spätgotisches Sakramentshäuschen eingelassen, zu dessen Seiten zwei Engel, der eine mit der Hostie, der andere mit dem Kelche stehen. i

An der südlichen Chorwand, unweit des Altars, befindet sich in einer Mauernische eine kesselartige Vertiefung, piscina genannt, die von den Priestern zum Waschen der Hände und Reinigen der Gefässo be­nutzt wurde.

Die Kanzel mit reicher Nussbaumholzschnitzerei stammt aus dem Jahre 1694.

In den drei Chorfenstern sind noch Glasgemälde erhalten; in dem mittleren (jetzt herausgenommen) sehen wir die Madonna mit dem Christuskinde, zu ihren Füssen den Donator, einen Mönch in rötlichem Gewände. Darunter steht:

0 sta (== sancta) Maria ora pro nobis; in dem linken: ein infulirter Abt in Cistercienserkleidung, darunter:Sanctus benedictus venerabilis ptr (= pater) in dem rechten: ein Abt mit Mitra und Krummstab, und die Worte: (S)anctus Bernhardus.

Die Orgel stammt aus dem Jahre 1722. An ihrer Stelle befand sich früher eine Orgel mit silbernen Pfeifen und der Inschrift:

Hoc Benedictus Abbas Organon struere fecit, 1533.

u ) vgl. Brandenburgia, VII. Jahrgang, No. 7, S. 236, auch in der Kirche zu Buch.