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Friedrich Backschat, Kloster Zinna bei Jüterbog.
Diese hat der Administrator Christian Wilhelm am 11. XI. 1618 in die Schlosskapelle zu Halle bringen lassen.
Ausserdem befinden sich in der Kirche noch einige Reste von Holzschnitzereien, so die kleine Statue des heil. Moritz, des Patrons des Erzbistums Magdeburg (jetzt im Märkischen Provinzial-Museum), drei Stirnwände von Chorstühlen, reich geschnitzt, mit figürlichen Darstellungen, 15 ) aus dem XIV sec, die Statuen Petrus und Paulus, Christus mit der Kreuzfahne, zwei Holztafeln mit Äbten (jetzt als Stirnwände zum Chorgestühl verwendet), ferner noch die ehemalige Klosterkasse, am westlichsten Pfeiler ein Messaltar mit den vier Kreuzen, den Zeichen der Weihe, zwei gotische Kelche nebst Patenen, eine gotische Monstranz aus vergoldetem Kupfer mit gravirten Heiligenbildern am Fusse, aus dem XV. oder XVI. sec.
Unter den Grabsteinen ist nur von Interesse der Grabstein eines exilierten, 1405 zu Zinna verstorbenen Bischofs Alarich. 16 ) Der Grabstein befand sich früher in der Mitte des Längsschiffes. Otte hat die Inschrift 1843 festgestellt, wie folgt: ^
„anno domini m. c. c. c. c. v. obiit pater venerabilis exul in xpisto (= christo) honorabilis episcopus dictus Alaricus.“ zur Linken, innerhalb der Einfassung:
„orate pro me peccatore“.
Woher dieser verbannte Bischof Alarich stammte, ist nicht bekannt und auch in der Series episcoporum 17 ) der zum Erzbistum Magdeburg gehörigen Bistümer ist er nicht zu finden.
Ausserdem ist noch hervorzuheben das im Querschiff befindliche, wundervoll ausgeführte Marmorepitaph des a° 1706 gestorbenen Kammerherrn von Kratz. Es zeigt uns den Kammerherrn mit Allongeperücke, ruhend auf einer am Kopfende zusammengerollten Matratze; zu beiden Seiten desselben stehen zwei trauernde Frauengestalten, die die Grabtafel halten. Von der Höhe des Epitaphs herab schaut der Tod, ein alter, magerer Mann mit langem Barte und Flügeln, in der Rechten hält er die Sense und auf seinem Kopfe steht das Stundenglas.
Neben diesem Epitaph liegt die Grabkammer des Kammerherrn, zu der man die nördlichste der vier Kapellen eingerichtet hatte. Jetzt leer, ist sie mit einer im Barockgeschmack gefertigten, durchbrochenen Thür aus getriebenem Eisen geschlossen.
Infolge der Renovation ist in dieser Kapelle ein mittelalterlicher steinerner Altar aufgedeckt, ausserdem ein Teil von einem Rauten-Fries
“) abgebildet in: Puttrich, Baudenkmale in Sachsen, Bd. II, Serie Jüterbog.
“) Die Umrisse sind nur einfach eingegraben und mit einer schwarzen Masse ausgegossen. Ähnlich ein Grabstein im Chor des Domes zu Havelberg.
") P. Pius Bonifacius Gams, Series episcoporum ecclesiae catholicae. Ratisbonae, 1873. 1. Bd.