Heft 
(1899) 8
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Carl Bolle, Altmodische Blumen.

griffen von Pilzkrankheiten, die sie überfielen, glücklich widerstehen konnte. Sie ist und bleibt die mächtigste an Wuchs nnd eine der schönsten und buntfarbigsten unter den Gartenblumen. Die Zahl ihrer Freunde kann gegen sonst abgenommen haben, erlöschen wird sie sobald nicht; immer noch prangt die Malve, volkstümlich, selbst an den abgelegensten Orten. Da vielleicht am meisten.

Malva mauritiana.

Krause Malve. M. crispa. Syrischen Ursprungs, wahrscheinlich durch Pilger oder rückkehrende Ordensritter mitgebracht, jetzt auf Garten­land häufig sich selbst aussäend. Unscheinbares Blühen kompensiert das zierlich gefranzte Blattwerk, welches den hohen Stengel bekleidet. Man braucht es mitunter zum Garnieren von Schüsseln.

Baummalve. Lavatera arborea.

Einjährige Lavatere. L. trimestris.

Wiesen-Storchschnabel. Geranium pratense.

Raute. Ruta graveolens. Mehr dem Küchengarten angehörig.

Lupine. Lupinus luteus; angustifolius; albus; versicolor. Von der gelben Lupine, jetzt so allgemein als Feldfrucht, mehr noch zur Grün­düngung auf Sandboden gebaut, begreift inan kaum mehr wie sie unter die Gartenblumen komme; sie figurierte imless unter diesen noch vor nicht allzu langer Zeit wirklich, wie Erfahrung noch Lebender und die Gartenbücher bestätigen.

Gaisraute. Galega officinalis. Weiss und hellblau blühend.

Spanische oder wohlriechende Wicke. Lathyrus odoratus. Früher in zwei konstanten Farbenvarietäten vorhanden, die gleiche Gunst genossen, jetzt durch Kunst der Gärtner Verschiedenfarbigei, wenn auch nicht wohlduftender geworden.

Breitblättrige Platterbse. Lathyrus latifolius, mit schöner weissblühender Abänderung.

/ Trippmadam. Sedum reflexuiu. Auch Snppenkrant.

Rote fette Henne. S. purpurescens.

Ilauslauf. Sempervivum tectorum.

Immer noch, wenn auch seltener wie früher, pflanzt man den Ilauslauf auf die Dächer, aber wie Viele wissen wohl noch zu welchem Zweck? Wüssten sie es, sie würden doch nicht mehr daran glauben. Mythologische Erinnerung lehrt uns, diese Pflanze solle das Haus gegen Feuersgefahr schützen. Wo ein Strohdach sich ganz mit ihren fleischigen Rosetten überzogen hat, mag wirklich etwas Wahres daran sein; doch wie selten ist dies! Dazu bedarf es jahrhundertlanger Ruhe, die ihr kaum je gegönnt wird. Schön und friedvoll ist der Anblick, wenn solche Rasen der Fettpflanze Ziegel oder Rohr hoch über dem Gebäude, rötlich-grün, wuchernd bekleiden.