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Ausflug naöh Golssen, Alt-Golssen und Landwehr bei Golssen.
aus Feldsteinen, hin und wieder mit Ziegel ausgeflickt, angestochen werden, ■woraus geschlossen wird, dass jene Siedelung mit Mauerwerk befestigt war und Gebäude enthielt. Dieser Schluss findet einige Bestätigung dadurch, dass in Neumanns Chronik der Niederlausitz neben den Kastellanen von Cottbus und Lübben auch einer „von Guhlsen“ im 13. Jahrhundert genannt wird, dessen Burg mangels jeder anderen geeigneten Stelle hier gestanden haben muss und vermutlich auf einem hier vorher schon von den Wenden errichteten Burgwall (Borchelt nach niederlausitzischer Weise) im 12, Jahrhundert unter dem Wettiner Grafen erbaut ist.
Beim Kantor Walter waren einige, auf dem Urnenfriedhof bei Landwehr gefundene Altertümer angesammelt, die dem Museum überwiesen wurden.
Das Schloss Golssen, dem Fürsten Solms-Baruth gehörig, enthält nur aus neuerer Zeit Erinnerungsstücke, die in diesem Jahrhundert angesammelt sind; es ist auch nur ein einfaches, wenn auch grosses, zweistöckiges Gebäude, von einem mässigen Park umgeben.
Das Schloss der Gräfin Fontana, der früheren grundherrlichen Familie von Golssen, steht als ein einfaches, dem Verfall nahes Haus an der nördlichen von den beiden Hauptstrassen des freundlichen Landstädtchens.
Alt- Golssen.
Bei dem Ausflüge in die Gegend von Golssen am Sonntag den 29. October 1892 (vergl. Golssen) wurde auch die Kirche in Alt-Golssen besucht.
Es ist ein sehr altes Feldstein-Bauwerk, das an der südöstlichen Spitze des Dorfes, auf einer, aus dem niedrigen Wiesenland aufragenden und vermutlich schon von den Wenden burgwallartig aufgeschütteten Höhe von etwa 40 Schritt im Durchmesser sich erhebt.
An der westlichen Giebelseite stehen die Ruinen des einstigen Turms, nach dem Dorf zu ein hölzerner Glockenturm. Ueber die Glocken vergl. Lausitzer Magazin, Band 8, S. 305.
Der oberste Teil der Kirche scheint in späterer Zeit, vielleicht im 16. oder 17. Jahrhundert, und zwar nach vorangegangener Zerstörung durch Gewalt oder Brand, erneuert zu sein, denn die Fensterbogen sind nicht mehr geschlossen, sondern mit Balken überlagert, auf welchen der Dachstuhl ruht. Innen hat die sehr kleine Kirche keine mittelalterlichen Reste mehr, der Altar erscheint ganz modern, davor liegen im Ziegelfussboden 2 abgetretene Grabsteine über von Stutterheimschen Grabgewölben, Vor dem herrschaftlichen Chor hängen 2 Bilder, Portraits eines v. Stutterheimschen Ehepaares aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts. Auf dem gefährlich zu betretenden Kirchenboden lagert eine Kanzel mit den gemalten Evangelisten in den 4 Fächern, und ein Altarblatt, beides aus dem 17. Jahrhundert.
Aussen an der Nordostseite der Kirche liegen noch 8 mit grossen sandsteinernen Gedenk-Platten bedeckte Gräber derer von Stutterheim, auch einige recht alte Linden stehen dabei.
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