Heft 
(1899) 8
Seite
403
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(W. Piitz, Pie geologischen Verhältnisse um den Paarsteiner See.)

Im Paarsteiner See zeigen sich verschiedene Seetypen vereinigt. Als Ausfüllung einer centralen Depression des grossen Paarsteiner Moränenbogens in seiner Anlage ein Grundmoränensee, dessen Tiefe heute 3040 Fuss beträgt, gehört er gleichwohl zu dem grossen bis an den Choriner und Lieper Bogen heranreichenden, in der Skizze (Fig. 2) durch horizontale Schraffierung hervorgehobenen Staubecken, dessen Gletscherwasser später durch Absetzen des Gletscherschlammes ein­geengt und in mehrere kleine Stauseeen zerlegt wurde, zwischen denen das freundliche Kirchdorf Brodowin seine weltabgeschiedene, idyllische Stätte findet. Bei dieser Trockenlegung mag jedoch auch eine andere Ursache mitgewirkt haben; denn das Wasser des Choriner Staubeckens hat unter Benutzung der heute von der herrlichen Klosterruine Chorin eingenommenen Unterbrechung des Moränenwalles auch eine Rinne aus- gefurchtet, deren einstige Ausfüllung von der Höhe des Choriner Bogens als eine anmutige, durch saftigen, von dunklem Waldesgrün wirkungs­voll eingeschlossenen Wiesengrund sich hinziehende Seeenkette in dem freundlichen Landschaftsbild erkennbar wird.

Kennzeichnet sich so der Paarstein-See in seinen südwestlichen Partieen schon als ein Doppeltypus von Grundmoränen- und Stausee, so lernen wir in seinem nördlichen und nordöstlichen, Tiefen von etwa 35 Fuss und höhere Ufer aufweisenden Teil noch einen andern See-Typus kennen, indem er hier durch subglaciale Zuflüsse erweitert wurde; denn als solche sind jene heute von mehreren kleinen Einzelseeen aus­gefüllten Terrainfurchen anzusehen, welche bei Bölkendorf von der Höhe der Grundmoränenlandschaft in südwestlicher Richtung sich zum Paar­steiner See hinabziehen.

Dem im Vorstehenden geschilderten Charakter der Gegend ent­sprechend bot der Weg vom Bahnhof Neu-Künkendorf über das benach­barte Bölkendorf nach dem Paarsteiner See, dem Hauptziel des Aus­fluges, das beständig wechselnde Bild einer Grundmoränenlandschaft holt e| c>xijv, deren in völlig regellosem Gewirr die mannigfaltigsten Formen und Niveau-Unterschiede bis zu 40 m aufweisendes Relief in der klaren, sonnendurchleuchteten Herbstluft um so plastischer hervortrat, als die von den Halmen befreiten, meist in Weizenkultur stehenden Felder jede einzelne Unebenheit aufs deutlichste zur Whkung kommen liessen. Während in den Senken der Blick nicht über den Rand hinauszureichen vermochte, überschaute das Auge von den Höhen immer neue Scenerieen dieser in ihrer richtungslosen Mannigfaltigkeit oft den Schrecken des aufnehmenden Topographen bildenden Terrainformen, denen aber gleichwohl die neben der aufstauenden und emporpressenden auch eine abrundende Wirkung ausübende dynamische Thätigkeit des Gletschereises eine gewisse Einheit­lichkeit verliehen hat.