Die Herzogin Dorothea von Preussen.
Vortrag von Georg Schuster.
Das Jahrhundert der Reformation war eine sturmbewegte Zeit. Während die wilde Unruhe des Lebens den Fürsten auf die Bühne der Welt hinaustrieb, sei es zu blutigem Waffengange, sei es zum zornigen Streit um Lehrmeinungen und Glaubenssatzungen, während Reichstage und Fürstenkongresse ilm häufig vom Hoflager fernhielten — sah sich die Fürstin von der Öffentlichkeit zurückgedrängt in die ruhigen Gemächer ihres Palastes, in den stillen Kreis ihrer häuslichen Umgebung. Die Tätigkeit, die sie hier entfaltete, die Beschäftigung, mit der sie die einsamen Stunden des Tages auszufüllen pflegte, gewährt ein zwar nach unserer Anschauung spießbürgerliches, aber doch anziehendes Gemälde friedlichen Stillebens, das nur in den verschiedenen Neigungen der fürstlichen Damen oder bei äußeren Anlässen ein wechselndes Aussehen gewinnend, von dem höfischen Treiben unserer Tage himmelweit verschieden ist. Mit anregender Lektüre sich die Zeit zu vertreiben, war damals ein unbekannter Luxus. Mangelhafte Bildung auf der einen, außerordentliche Seltenheit geeigneter Bücher auf der anderen Seite boten dieser Richtung des Unterhaltungstriebes unüberwindliche Hindernisse. Von einem umfassenden Unterricht und einer gründlichen wissenschaftlichen Belehrung der fürstlichen Fräulein war damals keine Rede. Tüchtige Lehrer und Bildner der weiblichen Jugend waren gewissermaßen weiße Raben. Nur sehr wohlhabende Eltern konnten sich so ungewöhnlichen Luxus leisten. So beschränkte sich der Unterricht der Prinzessinnen auf Lesen und Schreiben, auf Religion und eine höchst oberflächliche Übersicht in der Geographie. Ihre eigentliche Erziehung und Ausbildung für das Leben und den weiblichen Beruf ei’folgte teils durch die Mutter, teils durch den Umgang und den Unterricht der Hofmeisterin. Doch war es nicht leicht, Personen zu finden, die alle Tugenden und Vorzüge, die dieses verantwortliche Amt erforderte, in sich vereinigten. — Noch weniger gehörten die „edle Kunst der Musika“ und Malerei,
16