Heft 
(1904) 13
Seite
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Die Herzogin Dorothea von Preußen.

die heute von zahlreichen fürstlichen Damen mit größerer oder gerin­gerer Virtuosität gepflegt werden, zuin höfischen Zeitvertreib. In der fürstlichen Korrespondenz jener Tage wird der Künste mit keinem Worte gedacht.

Die Malerei war noch ein beneidetes Privilegium weniger erwählter Künstler. Die Musik bewegte sich in dem kindlichen Alter beschränkter Einfachheit. Das Ohr, an höhere Ansprüche nicht gewöhnt, begnügte sich mit einfachen, schmucklosen Kompositionen. Wohl unterhielten zahlreiche Fürsten, unter ihnen auch der Herzog Albrecht von Preußen, eine eigene Hof-Kapelle und einen Sängerchor, die teils beim Gottes­dienst, teils an heiteren Festen die Anwesenden durch Musik und Gesang erheben und ergötzen mußten. Doch wäre es völlig verkehrt, diese Vertreter einer primitiven Kunstfertigkeit und eines gering ausgebildeten Geschmackes mit dem Maßstab unserer Tage messen zu wollen.

Den politischen Weltereignissen oder den fortwährenden Kriegs­händeln mit lebendigem Interesse zu folgen oder in die theologischen Zänkereien, die nach dem Ableben des großen Reformators ausbrachen, sich hineinzustudieren, dazu fühlten nur wenige Fürstinnen sich berufen. So blieb ihnen denn nur übrig, in geschäftiger Sorge des Hofhalts zu walten und in rastloser Tätigkeit in Küche, Keller und Vorratskammer eine Summe häuslicher Tugenden zu entfalten, die manche unserer heutigen Modedamen mit gemischten Empfindungen betrachten werden, vielleicht sogar mit gelindem Schauer über so unziemliche Verirrung. Dafür war aber auch jenem Zeitalter und seinen Frauen die Nervosität ein unbekannter Begriff.

Die Zahl hochgestellter Frauen, die im 16. Jahrhundert nach guter alter deutscher Weise in Wahrheit Hausfrauen ihres Hofes waren, ist nicht gering. Wir nennen hier nur die Gräfin Elisabeth von Henneberg, eine Tochter des Kurfürsten Joachim I., die Gräfin von Mansfeld, die Herzogin Sophie von Liegnitz, die Kurfürstin von Sachsen, Mutter Anna, und die Herzogin Dorothea von Preußen. Die unermüdliche Sorge und treue Hingebung, mit der besonders diese Frau dem herzoglichen Haus­wesen zu Königsberg vorgestanden, hat die Geschichte der deutschen Fürstenhöfe mit unvergänglichen Strichen aufgezeichnet.

Dorothea,*) geboren am 1. August 1504, war das älteste Kind des Dänenkönigs Friedrich I. und seiner Gemahlin Anna, einer Tochter des Kurfürsten Johann von Brandenburg. Sie war also eine Nichte des Kurfürsten Joachim I. und eine Cousine seiner Gemahlin, der Kurfürstin Elisabeth, die durch ihre freundschaftlichen Beziehungen zu Martin Luther berühmt geworden.

*) Siehe Seite 227.