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Die Herzogin Dorothea von Preußen.
Außerdem spielten Brautschatz und Mitgift eine hervorragende Rolle. Oft erforderte die befriedigende Lösung dieser Frage langwierige, diplomatische Verhandlungen.
So werden denn die Anverwandten unserer Dorothea es mit freudiger Genugtuung begrüßt haben, als sich mehrfach deutsche Fürsten, u. a. der Herzog Erich von Braunschweig und der Herzog Albrecht von Preußen, um die Hand der Prinzessin bewarben. Aus dern Wettbewerb ging der Herzog Albrecht als Sieger hervor. Der stattliche Herr, der seit dem 10. April 1525 als Herzog im alten Ordenslande waltete, erhielt die Zusage des Vaters. Der Zustimmung des „Frauchens Dorotheen“ scheint man wohl sicher gewesen zu sein. Wenigstens konnte Albrecht bereits am 13. Oktober 1525 von Preußisch-Holland aus der Erkorenen seines Herzens den ersten Liebesbrief senden. In der Regel wurde aber auf die Einwilligung der Braut wenig Gewicht gelegt. Die Stimme des Herzens fand bei so rein politischen und praktischen Erwägungen, wie sie eine fürstliche Heirat zur Voraussetzung hatte, kein Gehör. Das wußten die Heirats-Kandidatinnen. Darum fügten sie sich auch meist willig in das Schicksal, das die hohe Politik ihnen unabänderlich bereitete.
Nach Verlauf eines halben Jahres war das Geschäft der „Ehe- beteidigung“ so weit gediehen, daß am 18. Februar 1526 auf dem Schlosse zu Flensburg der Ehevertrag durch Bevollmächtigte beider Höfe abgeschlossen werden konnte. In ihm ward dem „Fräulein von Dänemark“, wie Dorothea hier genannt wird, ein Heiratsgut von 20 000 Gulden in guter Silbermünze zugesichert. Außerdem sollte die Prinzessin mit königlicher und fürstlicher Kleidung, Kleinodieu und silbernem Geschirr ausgestattet werden, „wie es bei Königen, Fürsten und Herren gebräuchlich und Gewohnheit sei.“ Der Herzog Albrecht erklärte, „mit solcher Ausstattung gesättigt zu sein,“ und verschrieb seiner künftigen „Eheliebsten“ ein jährliches Leibgeding von 40 000 Gulden und eines der Schlösser Tapiau oder Labiau als etwaigen Witwensitz. So standen denn der Vermählung, die auf nächsten „Johannis Baptista,“ also auf den 24. Juni 1526, festgesetzt wurde, keine Hindernisse mehr entgegen.
Unsere Verlobten haben während der kurzen Brautzeit keine Gelegenheit gehabt, sich von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen. Um so lebhafter war ihr Briefwechsel. Einst überraschte der Herzog „seine allerliebste Fürstin, Muhme und Buhle,“ wie er Dorothea scherzhaft nennt, mit etlichen „Pumberanzen,“ um sich daran zu erfrischen. Dorothea dagegen ließ ihm als Gegengabe einen Dornenkrauz überreichen, worüber der Herzog seltsamerweise so erfreut war, daß er seiner Verlobten schrieb: „wiewohl der Kranz, den E. Lbd. mir sendet, von Dornen ist, so ist er mir doch lieber und soll mir auch lieber seiu, als alle Rosen- und Veilchenkränze und wenn sie auch mit den