Heft 
(1904) 13
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Die Herzogin Dorothea von Preußen.

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besten Cypressen vermengt wären. Dorothea aber erwiderte ihm: er möge den Dornenkranz doch nicht gar so hoch anschlagen, denn es sei ja nurein ganz nichtswürdiges Ding.

Endlich kam die für die Feier der Vermählung festgesetzte Zeit heran. Ein stattliches dänisches Geschwader geleitete das holde Königs kind nach seiner künftigen Heimat. Vor den Toren der alten Ordens­feste begrüßte der herzogliche Bräutigam die Prinzessin und führte sie in feierlicher Prozession durch die festlich geschmückten Straßen nach dem Schlosse, wo alles aufs Beste zum Empfange der künftigen Gebieterin hergerichtet war. Die Vermählung ward am 1. Juli und den folgenden Tagen mit nie geschautem Gepränge und unter dem Zulauf einer gewaltigen Volksmenge gefeiert.

Diese so festlich begonnene Ehe gestaltete sich zu einem wahren Muster gegenseitiger Hingebung und Treue. Eingedenk der ewigen Gesetze edler Weiblichkeit, suchte die junge Herzogin nicht zu glänzen durch großes und erhabenes Tun, wohl aber durch schönes Sein. Und indem die liebenswürdige, heitere Frau mit unermüdlicher Geduld und zartsinniger Sorge ihren Gatten befähigte, ein rechter Mann zu sein, so weit eben davon bei seinem nicht gerade großangelegten Wesen die Rede sein kann, hat sie in ihrer Sphäre förderlich mitgewirkt an dem Gewebe der Geschichte ihres Landes. Und das wird ihr nimmer ver­gessen werden. Leider reicht das überlieferte Material nicht aus, um das treue Wirken der edlen Frau voll zu würdigen. Immerhin weist der zum Teil erhaltene Briefwechsel der Fürstin eine solche Fülle schöner Züge auf, daß wir uns an deren Hand ein einigermaßen zuverlässiges Bild von ihrem Wesen entwerfen können.

Befand sich der Gemahl der edlen Frau auf der Reise, so empfahl er ihr wohl, ein wachsames Auge auf die Haushaltung und den Hof­garten zu haben. Sie antwortete ihm dann:loh erkenne mich zu allem dem schuldig, wie Ew. Lbd. eigen und getreue Dienerin, Eurem Ge­fallen allewege nachzukommen. Aber ich kann E. Lbd. nicht verbergen, daß, weil E. L. weggewesen ist, man nicht wohl Hausgehalten hat, wie ich selbst gesehen und mein Hofmeister mich berichtet hat. Die Trennung von ihr suchte sie dem Gatten, dem sie mit schwärmerischer Liebe zugetan war, so wenig wie möglich fühlbar zu machen, indem sie in rührender Weise für seine leiblichen Bedürfnisse zu sorgen pflegte. Sie sandte ihm frische Butter, wohlschmeckenden Käse, Obst, Pfefferkuchen und andere Leckereien nach und bekundete herzliche Freude, wenn sie erfuhr, daß die übersandten Gaben dem Herzog gemundet hatten. Ein anderes Mal schickte sie ihm Leibwäsche, darunter eine vergessene Nachthaube, aus Besorgnis, er möchte sich den Kopf erkälten.

Stellte sich im Hofhalte Mangel an einzelnen Bedürfnissen heraus, so sorgte die emsige Fürstin für die Ergänzung der Bestände. Wir