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Die Herzogin Dorothea von Preußen.
erfahren z. B., wie sie einer Frau Schiirstab in Nürnberg auftriigt, ihr ein Säcklein guter Linsen zu verschalten, „da“, fügte sie hinzu, „solche bei uns allhie fast seltsam sind und wir sie hiesigen Landes nicht wohl bekommen können“. Die Linsen gingen pünktlich ein, worauf Dorothea der freundlichen Vermittlerin unter dem Ausdruck herzlichen Dankes eine abermalige Bestellung übertrug auf etwa 3(X) Ellen von den allerbesten Überzügen zu Unterbetten, entweder aus Nördlingen oder sonst woher, wo man solche am besten und dicksten mache.“ Als die Herzogin in Erfahrung brachte, daß eine Königsberger Dame im Begriff sei, eine Reise nach Deutschland anzutreten, beeilte sie sich, ihr den Auftrag mit auf den Weg zu geben, „draußen 104 Ellen guten und kleinen allerbesten gestreiften Zwillich zu sechs großen Fürstenbetten und sechs I’fühlen anzukaufen.“
Es macht einen verständigen Eindruck, wenn die umsichtige Hausfrau mit der ihr empfohlenen Marienburger Seife in der fürstlichen Wirtschaft sorgfältige Versuche anstellt und, als diese nicht zur völligen Zufriedenheit ausfielen, dem Fabrikanten dankend mitteilt, die ihr übersandte Seife sei zwar nicht schlecht, habe aber einen allzustarken Geruch, so daß sie für die Reinigung ihrer und des Herzogs Kleider keine Verwendung finden könne. Das nötige Quantum „venetianischer“ Seife wurde dann von ihr aus Nürnberg verschrieben, dem süddeutschen Stapelplatz aller fremdländischen Erzeugnisse.
Die größte Aufmersamkeit widmete die Herzogin der Leibwäsche des Gemahls. Nachdem sich deren Ergänzung als durchaus notwendig herausgestellt, ließ sie sich eine tüchtige Näherin empfehlen, schickte ihr Leinwand und Zwirn nebst den erforderlichen Maßen und ermahnte sie, die Arbeit nach Möglichkeit zu beschleunigen, da es mit den alten Hemden des Herzogs sehr auf die Neige ginge. Die Näherin auf die Gunst der Fürstin bedacht, erbot sich, die alten Wäschestücke einstweilen auszubessern. „Sie habe ja,“ tilgte sie hinzu, „auch der Frau Herzogin Kleider, wenn sie zerrissen gewesen, wieder mit allem Fleiße so zu Wege gebracht, daß sie diese noch jetzt trage; wenn sie das nicht getan hätte, so würde die Herzogin sie haben ablegen und wohl 30 Gulden mehr für Neue geben müssen.“ — An geschickten Näherinnen schien damals überhaupt ein fühlbarer Mangel zu herrschen. Wenigstens gründete die Herzogin, um beständig die nötigen Kräfte für die Bedürfnisse ihres Hofes zur Verfügung zu haben, eine Nähschule, worin eine Anzahl junger Bürgertöchter und Landmädchen in der schwierigen Kunst des Nadelführens unterrichtet wurden. Für die Unterhaltung jeder Schülerin zahlte sie jährlich 25 Gulden.
Auch die Angelegenheiten der herrschaftlichen Küche waren der Herzogin ein Gegenstand eifriger Fürsorge. Einst gebrach es an einer tüchtigen Köchin. Im ganzen Preußenlande war kein einziges würdiges Exemplar dieser unentbehrlichen Hausgeister aufzutreiben. In der Not wandte sich Dorothea an die bewährte Vermittlerin in Nürnberg. „Nach-