Heft 
(1904) 13
Seite
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Die Herzogin Dorothea von Preußen.

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dein wir, so schreibt sie ihr,gerne eine gute Köchin, die uns für unsern Leib kochen und uns in unserem Gemache aufwarten täte, haben wollten, so bitten wir mit allen Gnaden, Ihr wollet Euch befleißigen, ob Ihr uns eine gute Köchin überkommen könntet. Denn wir einer solchen im Jahre gerne zehn Gulden geben wollen, und ob es sich schon um ein paar Gulden höher laufen täte, läßt uns auch nicht viel daran, zudem auch ein gutes Kleid, so gut wirs unsern Jungfrauen in unserm Frauenzimmer zu geben pflegen. Aber das müßtet Ihr von unsertwegen ihr hinwieder melden, daß ihr viel Auslaufens nicht gestattet wiftde, sondern sie müßte fein still, züchtig und verschwiegen stets bei uns in unserm Gemache sein und auf unsern eigenen Leib warten. Hätte sie dann Lust, bei uns hierin zu bleiben und sich alsdann etwa mit der Zeit in andere Wege zu versorgen, so sollte sie dazu von uns mit allerlei Gnaden gefördert werden. Was Ihr also von unsertwegen ihr versprechen und Zusagen werdet, das soll ihr allhier durch uns überreicht und gehalten werden. Man sieht, die erfahrene Menschenkennerin verstand die Saiten anzu­schlagen, die in einem weiblichen Herzen erfolgreich wiederhallen. Die Aussicht, unter die Haube zu kommen, ist ein Zauber, dessen bestricken­dem Keiz sich kein weibliches Wesen auf die Dauer zu entziehen vermag.

So blieb denn auch der Herzogin Schreiben nicht ohne den er­warteten Erfolg. Die dienstbeflissene Felicitas Schürstabin kam dem ehrenvollen Aufträge gern nach. Und nach Verlauf weniger Wochen hielt die fränkische Köchin ihren Einzug in die weltentlegene herzogliche Küche. Zum Dank dafür spendete die Herzogin der Nürnbergerin einen goldenen Schaupfennig d. i. eine Denkmünze mit demConterfeit der Herzogin.

Für die bevorstehende Fastnacht verschrieb Dorothea12 gute Lachse und etliche Schock Neunaugen. Bei einer anderen Gelegenheit bestellte sie in Schleswig für20 Gulden Lachs und Neunaugen. Aale, die sie von einem Königsberger Händler bezogen, erschienen ihr zu frisch und nicht genügend geräuchert. Sie gab ihm daher eingehende Vorschriften in dieser Beziehung.Wenn Ihr, schrieb sie ihm,wieder Aale, besonders große, erhaltet, so wollet sie alsbald ausnehmen, ihnen ganz die Haut abstreifen, sie dann mit Nägelin bestecken, die Haut wieder überziehen und also vollends räuchern lassen.

Da sie die Vorliebe ihres Gemahls für Kabeljau kannte, ließ sie sich keine Mühe verdrießen, der seltenen Delikatesse habhaft zu werden. Den Vogt Jasper Kaphengst in Helsingör ersuchte sie,da die Zeit nahe, wo man in Dänemark Makrelen fange, solche einzukaufen und ihr in einem Fäßchen wohlgesalzen zuzusenden, auch einige Schock räuchern zu lassen.

Im Begriff nach Memel zu reisen, erinnerte sie sich, daß im her­zoglichen Garten zu Fischhausen noch Weintrauben hingen. Sie wies daher flugs ihre Jungfer Röslerin an, die Früchte abzunehmen und eine Latwerge daraus zu bereiten, jedoch keinen Zucker hierzu zu verwenden.