Heft 
(1904) 13
Seite
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Die Herzogin Dorothea von Preußen.

Den Amtleuten zu Tapiau und Neidenburg trug sie auf, die herrschaft­liche Küche mit Wildpret und Rindfleisch zu versorgen.

Etwaige Mängel an Tischgerät war sie sofort zu beseitigen beflissen. So ließ sie z. ß. aus Nürnberg silberne Trinkgefälle kommen, schickte Bestellungen auf Tischmesser auf Grund eingesandter Muster nach Liegnitz und Memel. Die angefertigten erschienen ihr zu schwach und auch sonst nicht recht geeignet. Sie gab sie daher dem Messerschmied zurück unter umständlicher Darlegung ihrer bei der Neuanfertigung zu berücksichtigenden Wünsche. Es ist anzunehmen, daß der ehrbare Meister den Anordnungen der hohen Dame gerecht geworden ist, die, wenn sie nach Wunsch bedient wurde, stets prompt undohne vieles Feilschen den geforderten Preis zu zahlen pflegte.

Einen großen Teil ihrer Zeit verwendete die Fürstin auf die An­fertigung allerlei weiblicher Handarbeiten. Eine geschickte Näherin und Stickerin, finden wir die Unermüdliche gar häufig mit ihrer feinen Leib­wäsche beschäftigt. Nicht selten beschenkte sie Verwandte und Freunde mit eigenhändigen Näharbeiten. Namentlich wurde der Schwager, Mark­graf Wilhelm von Brandenburg, Erzbischof von Riga, von ihr wieder­holt zum neuen Jahrmit etzlichen schlechten Hemden beehrt, die ihre kunstgeübte Hand verfertigt. Aueh der Herzog Johann von Holstein, ihr Oheim, und der Graf Ernst von Henneberg werden mit Hemden und Baretten erfreut, die sie selbst genäht und gestickt hatte.

Unter den Stickereien der Fürstin spielten Hauben, Barette, Hals­tücher, Hals- und Armbänder und Kissen eine hervorragende Rolle. Diewelschen Muster dazu waren ihr aus Nürnberg oder Leipzig von dem dortigen italienischen Kaufmann Villani auf dem Wege über Lieg­nitz zugegangen, wo sie erst von der Herzogin Sophie benutzt wurden. Von Königsberg wanderten die Vorlagen schließlich nach Kopenhagen. Die kunstvollen Arbeiten, bei denen Gold und Silber reichliche Ver­wendung fanden, dienten ebenfalls zu Geschenken an fürstliche Bekannte. So erhielt ihr Vater, der dänische König, einmal ein von der Herzogin gesticktesschlechtes Paar Handschuhe, damit er daraus ersehe,dall sie ihn noch nicht sogar vergessen habe.

Dem Geschmack der Zeit entsprechend, pflegte die Fürstin auch die Perlenarbeit, bei der ihr ein sogenannter Perlenarbeiter, der als fürstlicher Diener mit einem jährlichen Gehalt von 40 Gulden angestellt war, hülfreiche Hand leistete. Die Anfertigung einer Haube von Gold- und Silberstoffen, deren Schlingen und Binden reich mit den kostbarsten Perlen besetzt waren, galt als ein Meisterstück weiblicher Handfertig­keit ein Gebiet, auf dem die Herzogin unerreichte Geschicklichkeit und vollendeten Kunstgeschmack entwickelte.

Der Wert der Perlen, der Gold- und Silberstickereien, mit denen die Fürstin ihre Kleider glänzend zu schmücken liebte, war ziemlich