Heft 
(1904) 13
Seite
250
Einzelbild herunterladen

250

11. (3. ordentliche) Versammlung des XIII. Vereinsjahres.

Steine, welche das Volk bei uns gewöhnlich Schwalbensteine, lokal auch Kitzelsteine oder Krähenaugen (im Havelland) benennt und die Prof. Dr. Meyn-Uetersen sehr überflüssiger Weise mit einem will­kürlich von ihm erfundenen WortWallsteine benamset hat. Die Feuer­steine der erst gedachten Pudding-Gesteine haben, wie schon angedeutet, diese narbige Krikelkrakel-Musterung nicht. Meyn wollte erst in den Schwalbensteinen Schwammversteinerungen sehen, er hat diese Vor­stellung später aufgegeben; gelegentlich finden sich in den Schwalben­steinen Kreideversteinerungen, Brachiopoden, Muscheln und dgl., hiermit hat aber jenes charakteristische Krikelkrakel nichts zu tun. Herr Pro­fessor Jentzsch bringt diese Steinbildungen mit Brandungserscheinungen eines heftig bewegten Tertiärmeeres in Verbindung, worin ihm Prof. Gottsche-IIamburg beipflichtet.

Diese Schwalbensteine sind aus dem oberen und unteren Diluvium Norddeutschlands jedermann bekannt. Einzelne tragen Gletscherschliffe. Unsere deutsche Ostsee fabriziert dergleichen nicht, weil eine Steilküste mit heftigen ßrandungserscheinungen uns fehlt. Während mehrwöchigen Aufenthalts an der oldenburgischen Ostseeküste im Juli d. J. habe ich pro Stück 10 Pfennig geboten, niemand hat mir aber aus den zahllosen Tausenden von Meeresgeröllen auch nur einen Schwalbenstein liefern können; auf dem hohen Ufer bei Bröthen und landeinwärts sind sie da­gegen nicht selten, und bei Uferabbriichen gelangt auch einmal ein Schwalbenstein in die Ostsee, aber das ist ja selbstredend kein Erzeugnis der heutigen Ostsee.

Am rechten Mündungsufer des Kvck-Flusses bei Greifswald habe ich viele Jahre hindurch eine anscheinend diluviale Scholle eines harten ledergelben Tones bemerkt, deren letzte Reste die Sturmflut vom 10. April HOB zerstört hat. Die Tonscholle war puddinggesteinartig von unzähligen Schwalbensteinen durchsetzt, von denen manche durch den Ton ihrer Einbettung gelblich gefärbt aussahen, das Gros hatte dagegen die charakteristische schwarzgraue Färbung, wenige waren fuchsrot ge­färbt, einzelne vermutlich durch Eisschliff geglättet. Von dieser durch Wasserflut allmählich aufgelösten grossen Scholle rühren m. E. die zahl­reichen Schwalbensteine her, die ich noch vor einigen Wochen rechts von der Mole an der rechten Ryck-Mündung bemerkt habe, wenn ihre Zahl gegen früher auch geringer erscheint.

Das Interessanteste ist, daß diese Scholle eine Menge leider meist zertrümmerter Seekonchylien enthielt, die ich im Nachrichtsblatte der Deutschen Malakozoologischen Gesellschaft vor Jahren beschrieben habe. Große Stücke dieses Tons und einzelne daraus gewonnene Konchylien, die den Charakter einer verkümmerten Nordseefauua, ähnlich der von Jentzsch in Ostpreußen beobachteten, tragen, hatte ich ausgestellt.

Desgl. sehr gut vertreten war die seit vielen Jahren von mir in