11. (3. ordentliche) Versammlung des XIII. Vereinsjahres.
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der Litorina-Schiclit bei Greifswald und am Saaler Bodden bis ins Mecklenburgische hinein festgestellte altalluviale Konchylien-_ Fauna. Dieselbe wird an diesen Stellen fast ausschließlich durch eine Muschel, Scrohicularia piperata, repräsentiert, während die Schneckengattung Litorina zwar in 2 Species L. litorea und rudis vorkommt, aber unendlich viel seltener als jene Muschel, so daß ich immer noch vorschlage, wenigstens die Greifswalder Ablagerung gewissermaßen als eine besondere lokale Abart und Ausbildung der viel größeren Litorina- Schiclit, Scrobicularien - Schicht, zu nennen. Ygl. E. Friedel- Scrobicularia piperata und Baianus improvisus (Nachrichtsblatt der Deutschen Malakozoologischen Ges. IX. S. 82); E. Friedei: Erläuterungen zu einer Sammlung urgeschichtlicher Gegenstände aus der Umgegend von Greifswald. Im Katalog der Ausstellung des halt. Vereins für Tierzucht und Tierschutz zu Greifswald 188L S. 1-8 u. derselbe in: Zeitschrift für Ethnologie ßd. XIV. Berlin 1882 S. 214, sowie Dr. II. Klose in seiner hochverdienstlichen Abhandlung: „Die alten Stromtäler Vorpommerns.“ Greifsw. 1904 S. 72 — 75, auf welche Schrift ich in einer anderen Sitzung ausführlicher zurückkommen werde. Noch sei hierzu auf meine Mitteilungen Brandenburgs XII. 327 u. XIII. 53 verwiesen. In dieser Schicht kommen gelegentlich roh geschlagene Feuersteine von früh-neolithischem Typ, bearbeitete Knochen, aber keine eigentlichen Palaeolithe oder Eolithe vor.
Es waren, was die letzterwähnten Zeugen des diluvialen Menschen anlangt, die Originale zu unserer Brandenburgia-Festschrift ausgestellt, sowie viele andere lediglich von mir selbst gesammelte Palaeolithe und Eolithe aus der Provinz Brandenburg, ferner zumeist aus versunkenem Vorland stammend von Helgoland Düne und Hauptinsel, von der ostholsteinischen, oldeuburgischen, Kibeckischen und neuvorpommerschen Ostseeküste, Ergebnisse meiner diesjährigen See- und Küstenreisen.
Alles aus dem Diluvium, auch die Eolithe, welche zwar eolithische Bearbeitung (industrie im französischen Sinue) also tertiäre Kultur aufweisen, aber der Facies von Mesvin (Mesvinien) oder der weitälteren Facies von Rentei (Reutelien) oder der Übergangs-Facies (Reutelo-Mes- vinien oder Mafflien) angehören. Um allen Mißdeutungen vorzubeugen wiederhole ich nochmals, daß ich eigentliche Tertiär-Kulturerzeugnisse d. h. solche, die aus dem Pliocän, Miocän, Oligocän herstammen, bis jetzt aus Nord-Deutschlands Flachland nicht kenne. In der Braunkohle des Miocän, namentlich in den wohlerhalteuen Sumpf-Cy- pressenwäldern von Groß-Räschen bei Senftenberg, in dem branden- burgischen Marine-Miocän 'Priegnitz), in dem Marine-Oligocän von Joachimstal, Buckow, Freienwalde a. 0. u. s. f. sind Spuren des Tertiär- Menschen bisher nicht nachgewiesen, obwohl dergl. aus dem Ober- Oligocän von Thenay in Frankreich, aus dem Ober-Miocän von Puy-
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