Heft 
(1904) 13
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11.(8. ordentliche) Versemmlung des XIII. Vereinajahres

Courny (Cantal), aus dem Mittol-Miocän von Keilt (England) und aus dem Ober-Pliocän von Saint-Prest (Frankreich) und den Forest Cromer Beds (England) inzwischen bekannt geworden sind. Es hat freilich bis jetzt im brandenburgischen Tertiär niemand nach Kulturspuren ernstlich gesucht.

Den Stand der Palaeolithe- und Eolithe-Forschung, wie er sich gegenwärtig verhält, versuchte ich an der Hand der ausgestellten Kultur­reste, zu denen des Vergleichs halber eine reiche Folge von Edithen und Palaeolithen hinzukam, die Dr. Jagor, insbesondere aber Professor Dr. Schweinfurth auf dem linken Nilufer über Theben in Ober-Ägypten gesammelt und die der vergleichenden Abteilung des Mark. Museums an­gehören, in einem längeren Vortrage, an den sich eine kurze Diskussion anschloß, auseinanderzusetzen.

Ich nahm dabei Bezug auf das mir kürzlich zugegangene Werk A. Rutots:Coup doeil sur lötat des connaissances relatives aux industries de la pierre ä lexclusion du nöolithique en 1903 (Namur, 1904), das geradezu epochemachend zu nennen ist und dem ich außerordentlich viel verdanke. Wäre dasselbe schon 1903 oder gar 1902 erschienen gewesen, so hätte ich bereits eine bessere Wür­digung und Erklärung unserer norddeutschen, insbesondere branden­burgischen Palaeolithe und Nenlithe geben können, als es bei dem da­maligen Stande unserer hiesigen Kenntnis der heimatlichen Verhältnisse möglich war. Auch heut mache ich auf diese ausgezeichnete Arbeit unseres verehrten Mitgliedes Rutot, ohne deren Kenntnis das Studium der Eolithe und Palaeolithe Norddeutschland vollkommen unfruchtbar bleibt sowohl vom palaeo-archäologischen wie palaeontologischen Stand­punkte aus, aufmerksam, näheres Eingehen vorbehaltend.

Außerdem hatte das Märkische Museum namentlich eine reiche Folge von Fundstücken von Klein-Ladebo bei Greifswald aus­gestellt, von einer dem obern Diluvium angehörigen öden Sandfläche, welche Funde von der jüngern Steinzeit bis in die wendische Zeit ge­liefert hat. Ich habe seit 1874 fast alljährlich die Stelle abgesucht und hunderte von bearbeiteten Flinten der neolithischen Zeit, teils der älteren, teils der neueren Zeit gefunden, darunter eine ganze Serie von aufs zierlichste bearbeiteten Pfeilspitzchen, eine Urne mit Leichenbrand, Bronze- und Eisensachen, zahllose Urnenscherben von der Steinzeit bis in die wendische Periode, eben so die frühmittelalterliche Poterie (grauschwarzer glasurloser Hartbrand) vom 13. Jahrhundert aufwärts. Trapezförmige Pfeilspitzen von dort, ebenso Spitzangeln, alle aus Flint, habe ich bereits auf der erwähnten landwirtschaftlichen und Fischerei-Ausstellung in Greifswald (E. Friedei: Erläuterungen zu einer Sammlung urgeschicht- licher und vorgeschichtlicher Gegenstände aus der Umgegend von Greifs­wald 1881 und Katalog B. II. Nr. 6623 des Mark. Museums) ausgestellt,