Heft 
(1904) 13
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14. (4. ordentliche) Versammlung des XIII. Vereinsjahres.

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Nehring hatte mir für die heutige Brandenburgia-Sitzung den lange zugesagten Vortrag über Klinge versprochen, bestellte ihn aber ab, weil er sich körperlich wie geistig erschöpft fühle und nur mit Anstrengung seinen amtlichen Anforderungen zu genügen imstande sei. Ich fand N. seit dem Unglück, welches ihn vor 2 Jahren dadurch traf, daß infolge einer Gasexplosion unter dem Museum in der Landwirtsch. Hochschule, ein Teil seiner Sammlungen zerstört oder beschädigt, ein anderer völlig durcheinander geworfen ward, zum öftern äußerst niedergeschlagen; N. konnte die Verluste an Material und aufgewendeter unendlicher Mühe seelisch nicht überwinden, aber so nahe hatte ich mir den Tod dieses kräftigen, echten zähen Niedersachsen doch nicht gedacht.

Die Wissenschaft und unsere Brandenburgia verlieren durch Nehrings Tod Unersetzliches.

Ehre, Ehre seinem Andenken!

(Die Anwesenden erheben sich von den Sitzen.)

VII. Durch den hierselbst am 22. d. M. erfolgten Tod des Ge­heimen Sanitätsrats und Professors Pr. Max Bartels erleidet die Anthropologie und die Volkskunde einen außerordentlichen Verlust. B. hat diese Wissenszweige auch hinsichtlich unserer Heimatprovinz eifrigst gefördert, ohne Mitglied der Brandenburgia zu sein. Er ist 62 Jahr alt geworden, seine Gemahlin Anna geb. Hertzog ist eine Tochter des be­kannten Begründers des großen Handels- und Konfektions-Hauses Rudolf Hertzog zwischen der Breiten- und Brüder-Straße.

VIII. Auch der am 10. Oktober 1904 hier gestorbene, am 1. Mai 1853 geborene Banquier Alexander Meyer-Cohn sei hier, obwohl ebenfalls nicht Mitglied der Brandenburgia, mit Rücksicht auf die großen Ver­dienste erwähnt, die er sich um den uns befreundeten Verein für Volks­kunde, um das Volkstrachten-Museum und denVerein für die Geschichte Berlins erworben. Seine Autographen-Sammlung, namentlich soweit sie die deutsche Literaturgeschichte angeht, ist berühmt. Zu vergl. Mitt, des letztgedachten Vereins 1904 S. 137.

C. Naturgeschichtliches.

IX.Schutz dem Grunewald! Protest-Erklärung gegen die Vernichtung des Grunewalds. Unter dieser Überschrift wird eine Liste durch eine hiesige Zeitung mit dem Ersuchen der Brandenburgia vorgelegt, sich beistimmend darin einzutragen. Ich lege diese Liste m mehreren Exemplaren vor und ist es selbstverständlich jedermann übei- lassen, ob er seinen Namen in dieselbe eintragen will, oder nicht. Ich selbst werde dies nicht tun und kann auch nur der Brandenburgia als solcher widerraten, den Protest zu unterzeichnen. Derselbe schießt weit über das Ziel hinaus, er enthält mehrere Ungenauigkeiten und viele Übertreibungen. So heißt, es, der Teil des Grunewalds zwischen Glienicke