Heft 
(1904) 13
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14. (1. ordentliche) Versammlung des XIII. Vereinsjalires.

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und Neu-Babelsberg solle bebaut werden. Dies Gelände gehört aber garnicht zum Grunewald, sondern zum Potsdamer Forst. Neben der großen Pöberitzer Heerstraße solle ein großer Exerzierplatz geschahen werden: gemeint ist das Gelände zwischen dem Bock und der Char­lottenburg-Spandauer Grenze, welches, wie allen Spaziergängern zwischen dem Bock und Pichelsberg bekannt, bereits seit etwa 40 Jahren dem Verkehr entzogen, eingefriedigt und für militärische Zwecke bestimmt ist. Wenn unser Kaiser, dessen landesväterlichem Interesse wir gerade die Erhaltung des Grunewalds verdanken, davon gesprochen hat, ihn zti einemVolkspark zu machen, so heißt das nur, daß der Forst, der bisher als einWildpark gehalten wurde, nunmehr jedermann aus dem Volke zugänglich sein soll. Statt unserem Hohen Herrn dafür dankbar zu sein, wird die Sache entweder törichter oder absichtlicher Weise so gedreht, als wenn unserm Kaiser ein Volkspark im Sinne etwa des Wurstlpraters bei Wien vorschwebe. Das ist grundfalsch. Die schönsten Teile d. h. die hügeligen Gelände nach der Havel zu bleiben in ihrer ur- und naturwüchsigen Schönheit erhalten und wenn beabsichtigt sein sollte, den ebenen Teil, wo Kiefer an Kiefer so langweilig wie die Pfähle einer Landesbaumschule, ein Baum genau wie der andere, dastehen, etwas zu lichten, so kann dies vom Standpunkt der Naturschönheit nur dringend gewünscht werden. Es werden alsdann die zahlreich ein­gesprengten mehrhundertjährigen prächtigen Eichbäume, die jetzt von unschönen und wertlosen Kienbäumen fast erstickt werden, zur Geltung kommen, vor allem werden dann das Unterholz und das Gesträuch sowie die niedrigen Waldkräuter und Waldblumen aufsprießen, was vereint unseren märkischen Naturwald so malerisch macht, bislang aber wegen der Parforcejagden in diesen widernatürlichen und künstlichen Jagen und Gestellen absolut verpönt war. Einzelne urwüchsige Teile der Jungfernheide und des Tegeler Forstes zeigen uns, wie der märkische Wald um Berlin anssieht und in seiner ungestörten Ursprünglichkeit aussehen soll. Fis wird eine schöne und dankbare Aufgabe der Forst­leute und Gärtner sein, in diesem Sinne die für unser Naturempiinden bisher verwahrlosten Teile des Grunewalds, in denen man im schlimmsten Wortsinne den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, forstlich auszuge­stalten und floristisch neu zu beleben. Ebenso wird vollkommen zu Unrecht ausgestreut, als wenn die malerischen Sumpfpartien, die Fenne des Grunewalds, ausgetrocknet und in künstliche Anlagen wie bei St. Hubertus verwandelt werden sollen, auch hieran denkt an maßgebender Stelle niemand ernstlich.

Ich weiß nicht, ob ich mit diesen Ausführungen im Sinne der Brandenburgs gesprochen habe und bitte bei der Wichtigkeit und Gemeinnützigkeit der Sache sowie bei dem Ansehen, dessen sich unsere heimatkundliche und heimatfreundliche Gesellschaft im Volke überall, bei