Heft 
(1900) 9
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4. (2. ausserordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjabres.

Markt ausgegraben. Ferner eine grosse Urne, von der vermutet wird, sie sei auf dem Schlossberg (BurgwaU) in der Dammvorstadt ausgegraben. Wäre dies richtig, so würde die Vermutung, dass dieser wendische Burgwall unter sich noch eine germanische Grundlage habe, eine wesentliche Stütze erhalten. Das Gefäss zeigt keine Ornamentik, dürfte aber dem ostgermanischen Formenkreise einzureihen sein. Sodann ein kleiner Krug aus grauschwarzem Ilartbrand, wie der geschilderte des Rathauses. In einem Keller der Stadt vermauert gefunden, als Deckel darauf ein rundes, ziemlich gut passendes, natürliches Stein­geschiebe von Linsenform. Das Gefäss ist leer gefunden, doch mag darin, inzwischen verdunstete, Flüssigkeit gewesen sein. Als Bauopfer anzusprechen.

III. Herr Pfarrer Hamann von St. Jakobi teilt mit, dass sich in der Nähe des Stadtteils Neumarkt noch zwei Rundwälle auf den Wiesen befinden, einer etwas angestochen, der andere napfkuchenförmig, noch unversehrt. Mutmasslich wendische Rundlinge, deren Untersuchung anempfohlen werde.

IV. In der Raritäten-Sammlu ng der alten Sakristei in der Nikolaikirche bemerkte ich beim Besuch der Kirche im Herbst 1899 einen Rippenknochen, der seit unvordenklicher Zeit in der Kirche als Merkwürdigkeit aufbewahrt wird. Derselbe sollte ein Mammutknochen sein, wogegen ich behauptete, dass es eine rezente wenn auch viel­leicht einige Jahrhundert alte Rippe eines Walthieres (Cetacee) sei. Bei der heutigen Besichtigung wurde meine Bestimmung durch die anwesenden Zoologen Geheimrat Dr. Möbius, Direktor Dr. Otto Reinhardt und Prof. Dr. A. Krause bestätigt. Das spongiöse Gewebe des Knochens spricht durchaus für eine Cetacee. Dergleichen Knochen finden sich vielfach in alten Kirchen und Rathäusern.

V. Ebendaselbst befinden sich einige schöngeschnitzte hölzerne Heilige von eingegangenen mittelalterlichen Altären und Kapellen. Die­selben haben auf der rechten Wange tief eingedrehte Löcher von etwa der Grösse eines Zweimarkstücks. Hierin haben höchstwahrscheinlich Partikelchen von Reliquien gesessen, die in reformatorischer Zeit entfernt worden sind, ohne dass man sich die Mühe gegeben hat, die Höhlungen wieder zu verschliessen.

Herr Max Kühnlein, Architekt, bringt folgenden Beitrag:

Gelegentlich der am 27. Mai er. stattgehabten Wanderfahrt nach Jüterbog streifte Herr Pfarrer Hamann die Frage nach der Ursache des an der linksseitigen Chorwand der Nicolaikirche befindlichen, von einer Fensteröffnung durchbrochenen, in mächtiger Spannweite herge­stellten und vollständig ins Mauerwerk eingelassenen Wandbogens. Nach eingehender örtlicher, an den Vortrag anschliessender Besichtigung