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5. (3. ausserordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
äusserte ich mich Herrn Pfarrer Hamann und Herrn Rektor Werner gegenüber folgenderinaassen :
Jüterbog hat zum grossen Teil sehr schlechten Raugrund, beim Bau der Kirche an jener Stelle auf solchen stossend, überbrückto man mittels des in Rede stehenden Entlastungsbogens den schlechten Grund (ein noch heut übliches Verfahren) und legte über die dem Bogen als Widerlager dienende Pfeiler die noch jetzt durch zwei lotrecht hochstrebende Fugenrisse erkennbare, ältere Fensteröffnung an. Die grössere Breite derselben entspricht nicht der Lichtweite des gegenüber befindlichen schmaleren Chorfensters, dasselbe liegt überdies aus der Achse seines Gegenübers, hier folgte man unverkennbar einem gegebenen Zwange. In späterer Zeit empfand man die ungünstige Wirkung des den beiden Chorfenstern anhaftenden Unsymmetrischen, und so durchbrach man den längst in seiner Struktur abgebundenen Entlastungsbogen, legte eine dem Gegenüber genau entsprechende Öffnung frei und mauerte die restlich verbleibenden Lichtöffnungen des grossen Chorfensters älteren Datums voll aus. Betrachtet man die Verschiedenartigkeit der Maasswerke beider Fenster, und folgt man den deutlich erkennbaren, mit Mörtel verstrichenen und mit Farbe übertünchten Fugenrissen, so dürften diese Merkmale meine eingangs erwähnte Vermutung über die Entstehungsursache des an jener Stelle vorhandenen Wandbogens wesentlich unterstützen.
5. (3. ausserordentliche) Versammlung des IX. Vereinsjahres.
Mittwoch, den 20. Juni 1900. — Wanderversammlung nach Tegel.
Im Garten des Trillerschen Schlossrestaurants hatte sich eine stattliche Zahl von Mitgliedern und Gästen eingefunden. Nachdem der Kaffee eingenommen worden war, begab sich die Gesellschaft in das Schloss. Die reichen Kunstschätze und die ehrwürdige Ausstattung der oberen Räume riefen bei dem trüben Licht eines vorüberziehenden Gewitters eine besonders feierliche Stimmung hervor. Der heftige Regen verhinderte leider den geplanten Rundgang durch die Gartenanlagen und den Besuch der Gräber der Familie Humboldt und des Grabes Knuths. Daher versammelte sich die Gesellschaft sogleich zur Einnahme des Abendbrotes in der verdeckten Halle des Schlossrestaurants. Da die